In dieser Woche begeht Lilo Milchsack ihren 80. Geburtstag. Wenigen Menschen ist es vergönnt, Dir Lebenswerk während fast 40 Jahren so stetig und kontinuierlich wachsen zu sehen: Die Deutsch-Englische Gesellschaft, die 1949 von ihr und einigen politisch engagierten Freunden gegründet und von Sir Robert Birley tatkräftig unterstützt wurde, hat in der Tat ständig an Bedeutung zugenommen.

Jedes Jahr ist auch die Zahl der Menschen gewachsen, die sich danach drängen, an der jährlichen Konferenz teilzunehmen. Anfänglich fanden die Sitzungen in Königswinter am Rhein statt, seit einigen Jahren wird regelmäßig zwischen Cambridge und Königswinter gewechselt. Aber auch wenn man nach Cambridge reist, fährt man zur „Königswinter-Konferenz“, denn sie ist zum festen Begriff in der politischen Gesellschaft Englands und Deutschlands geworden.

Wie kommt es eigentlich, daß man soviel lieber nach Königswinter geht als zu den meisten anderen Konferenzen? Des Rätsels Lösung: Weil Lilo es verstanden hat, der Veranstaltung einen sehr persönlichen Charakter zu geben.

Während des ganzen Jahres pflegt sie dieses Unternehmen wie ein Gärtner seine Anlagen. Mit liebevollem Auge, aber strengem Blick betrachtet sie die verschiedenen Gewächse, stutzt jene, die enttäuschten, begießt solche, die sich als verheißungsvolle Sprößlinge erweisen. Nie vergißt sie, daß man – was der Forstmann „Überhälter“ nennt – braucht, aber sie weiß auch, daß jedes Jahr neue Kulturen angelegt werden müssen. Königswinter ist eben Lilo Milchsacks ganz persönliches Anliegen, das unterscheidet diese Gesellschaft von so vielen anderen, die von einem bezahlten Generalsekretär geleitet werden.

Lilo hat von den Engländern in Anerkennung ihrer Verdienste um die deutsch-englische Verständigung den St. Michael- und St. Georgs-Orden verliehen bekommen; sie ist die einzige Deutsche, die auf solche Weise geehrt wurde. Das deutsche Bundesverdienstkreuz mit Stern erhält sie in diesen Tagen. Lilo Milchsack, geborene Duden, hat in Frankfurt, Genf und Amsterdam Geschichte studiert. Ihrem Großvater Duden ist es zu danken, wenn wir orthographisch auf der Höhe sind, denn bei ihm – also „im Duden“ – kann man nachlesen, wie komplizierte Worte richtig geschrieben werden.

An ihrem Geburtstag werden viele alte und neue Königswinter-Partisanen ihrer gedenken, und diejenigen, die wissen, wie einsam sie ohne ihren jüngst verstorbenen Mann ist, werden dies mit besonderer Wärme tun.

Dff.