Die Aktionäre der Industrie-Werke Karlsruhe Augsburg AG (IWKA) sollen auf der kommenden Hauptversammlung die Einführung eines auf zehn Prozent des Aktienkapitals begrenzten Höchststimmrechts beschließen. Der Vorstand möchte mit dieser Maßnahme die Spekulationen um den möglichen Einstieg eines Großaktionärs verhindern. Daß Aufkäufe, insbesondere durch Ausländer, angesichts eines Aktienkapitals von nur 69 Millionen Mark nicht ausgeschlossen werden können, liegt auf der Hand. Dies um so weniger, als es sich bei IWKA um ein technisch hochinteressantes Unternehmen handelt, das in der Schweiß- und Industrierobotertechnik zu den leistungsstärksten der Welt gehört.

Börsentechnisch dürfte eine Paketbildung nicht unmöglich sein, weil nach dem Ausstieg der Quandt-Gruppe aus dem Unternehmen kein eigentlicher Großaktionär mehr vorhanden war. IWKA wurde plötzlich eine Publikumsgesellschaft. Ob sich inzwischen eine Aktienballung ergeben hat, wird sich spätestens auf der kommenden Hauptversammlung zeigen. Denn dann müßte dieser Aktionär gegen die geplante Stimmrechtsbeschränkung opponieren.

Und auch die "kleinen" Aktionäre sollten sich überlegen, ob sie sich selbst entrechten wollen. Es ist falsch, wie gelegentlich behauptet wird, für den Kleinaktionär sei das zur Aktie gehörende Stimmrecht ohne Wert. Ihm allein verleiht es zwar kein entscheidendes Mitspracherecht, gebündelt werden Stimmrechte aber zu einem Machtfaktor. Bis es dahin kommt, muß ein Interessent Aktien kaufen. Mit der Folge, daß an der Börse der Kurs steigt. Allein schon die Vermutungen, daß so etwas bei IWKA im Gange ist, hat den Kurs für die 50-Mark-Aktie auf rund 325 Mark steigen lassen. Für ein bisher dividendenloses Papier eine stolze Höhe. Wieviel davon auf das Konto des zweifellos tüchtigen Vorstandes und wieviel auf Spekulation entfallen, läßt sich nicht abwägen. Daß dem Vorstand der gegenwärtige Zustand am liebsten ist, läßt sich verstehen. Aber für die Aktionäre geht es um einen freiwilligen entschädigungslosen Verzicht auf einen Vermögenswert. Warum sollen sie?

K. W.