Im Februar dieses Jahres platzten die Manager des zweit- und des drittgrößten deutschen Reiseunternehmens mit ihrer Sensation heraus: Die Karstadt-Tochter NUR und der Kaufhof-Ableger ITS wollten zu einem einzigen Reisekonzern fusionieren. Er sollte zum mächtigsten Konkurrenten des weltgrößten Touristikunternehmens, der TUI in Hannover, werden. Am Rosenmontag sprachen die Manager beim Berliner Kartellamt vor – damals noch voller Hoffnung.

Inzwischen ist ihr Optimismus getrübt. In diesen Tagen erhalten die Vorstände in den Reisefirmen in Frankfurt und Köln die ersten Nachrichten aus Berlin. Im nächsten Monat wird dann die endgültige Entscheidung gefällt. ITS-Chef Paul Scholz prognostiziert behutsam: "Der Eindruck verdichtet sich, daß die Entscheidung des Kartellamts eher in Richtung ‚Nein‘ geht."

Wie dann weitertaktiert wird, ob Kaufhof und Karstadt auf eine Fusion ihrer Reisetöchter beharren, ist ungewiß. Für Kaufhof wäre die Ablehnung nicht so tragisch. Die ITS ist ein gesundes Unternehmen, das auch ohne fremde Unterstützung auskommt. Allein in diesem Jahr liegen die Buchungszuwächse bei zehn Prozent gegenüber 1984. Anders bei der Karstadt-Tochter NUR. Karl Laschet, im Warenhauskonzern für die Sparte Reise zuständig, mußte seinen Vorstandskollegen schon in den vergangenen vier Jahren mehr als hundert Millionen Mark an NUR-Verlusten präsentieren. Ob der marode Reiseladen von sich aus noch einmal gesunden kann, wird in der Branche bezweifelt.

*

Neben den großen Finanzproblemen gibt es beim Reisekonzern NUR auch immer wieder kleinen Ärger. So jetzt für die beiden in den Aufsichtsrat delegierten Betriebsräte, Detlef Balcerowski und Bernd Rederer. Von einem Reporter des Branchenblattes Touristik Report erfuhren sie in der vergangenen Woche am Telephon, daß ein Richter Schulze am Frankfurter Amtsgericht sie am 9. Mai ihrer Aufsichtsratsposten enthoben habe. "Da scheint was schiefgelaufen zu sein", war der erste entsetzte Kommentar.

Zwar wußten die beiden Betriebsräte, daß NUR ihre Abberufung gerichtlich beantragt hatte. Der Grund: Balcerowski und Rederer hatten im internen NUR-Blättchen infoshop Geschäftsstrategien ihres Unternehmens als "dilettantisch" und "arrogant" kritisiert. Sie sollen auch in einem Brief an das Berliner Kartellamt die Fusionspläne des Vorstands mit ITS abgelehnt haben – was sie selbst allerdings nicht bestätigen. Doch das Gericht selbst hat sie zu den Vorwürfen nie gehört. Die Entscheidung kam deshalb für die Betriebsräte ziemlich überraschend. Inzwischen haben sie beim Frankfurter Landgericht eine Aussetzung des Verfahren beantragt.

*