Sinn Féin, der politische Arm der Irisch-Republikanischen Armee (IRA), wurde bei den nordirischen Kommunalwahlen zur zweitgrößten politischen Kraft im katholischen Lager.

Rund ein Drittel der katholischen Bevölkerungsminderheit entschied sich für eine Gruppierung, die aufs engste mit der IRA verflochten ist. Dem jüngsten Anschlag der IRA fielen am Montag erneut vier nordirische Polizisten zum Opfer.

Vor Sinn Fein behauptete sich die gemäßigte SDLP als größte katholische Partei, die das Nordirlandproblem in einem gesamtirischen Rahmen lösen möchte. Das Votum für Sinn Fein zeigt jedoch, daß die nationalistische (katholische) Minderheit den gegenwärtigen Verhandlungen zwischen London und Dublin wenig Vertrauen entgegenbringt.

So verschieden die beiden Parteien in der Wahl ihrer Mittel auch sind: Die reine Wahlarithmetik zwingt sie zur Zusammenarbeit. In sechs der 22 Regionalräte halten sie gemeinsam mit Unabhängigen die Mehrheit der Sitze. Die SDLP weiß nur zu genau, daß Sinn Fein letztlich davon profitieren würde, wenn infolge innerkatholischen Haders protestantische Verwaltungen gewählt werden. Doch die unvermeidlichen Koalitionsabsprachen bedrohen die politische Identität beider Beteiligten.

Zwar haben unter den unionistischen Parteien, die die Interessen der protestantischen Mehrheit vertreten und strikt an der fortdauernden Bindung an Großbritannien festhalten, die Gemäßigten den schrillen, aggressiven Ian Paisley klar auf den zweiten Platz verwiesen; doch die konfessionell ungebundene, tolerante Allianz-Partei wurde ein Opfer der Polarisierung.

Die beiden großen unionistischen Parteien haben noch am Wahlabend einen Pakt zur konsequenten Obstruktionspolitik gegen Sinn-Fein-Vertreter geschlossen. Die britische Provinzverwaltung hat ihrerseits bestätigt, daß sie nicht mit den gewählten Repräsentanten von Sinn Fein zusammentreffen wird.

Martin Alioth (Co. Meatb/Irland)