Die Dornier-Werke haben aufgehört, ein Familienunternehmen zu sein

Es war der 101. Geburtstag des Firmengründers Claude Dornier, als die Dornier-Werke aufhörten, ein Familienunternehmen zu sein. Claudius Dornier junior ist es nicht leichtgefallen, seine Unterschrift unter die Verträge zu setzen, mit denen der Mehrheitsbesitz an dem Luft- und Raumfahrtunternehmen an den Daimler-Benz-Konzern übergegangen ist. Für ihn, den ältesten Sohn des Gründers, gab es keinen Grund, warum das Werk seines Vaters nicht weiterhin als Familienunternehmen geführt werden sollte.

Tatsächlich war es nicht finanzielle Not, die zu diesem Schritt zwang. Dem Unternehmen geht es nach dem Urteil aller Fachleute gut. Der Dornier-Konzern wird in diesem Jahr mit seinen gut 9000 Mitarbeitern erstmals einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Mark machen.

Es war also nicht, wie in divers ‚ anderen Fällen, die Habsucht einer Familie, die ihr Unternehmen ausbluten läßt und nicht für die Zukunft vorsorgt. Die Dorniers hatten ihr Haus in Schuß. Doch eineinhalb Jahrzehnte Kampf der Erben um Macht und Einfluß im Unternehmen (siehe auch im ZEITmagazin, S. 38: Die Dorniers) machten schließlich wohl keine andere Lösung mehr möglich.

Die Daimler-Vorstandsmitglieder Walter Niefer und Edzard Reuter mußten viele Stunden verhandeln, um schließlich zu einer Lösung zu kommen, die der Familie Dornier noch einen gewissen Einfluß auf das Unternehmen garantiert, an dem Claudius soviel lag, um eine Familientradition aufrechtzuerhalten.

Als Ergebnis ist jedenfalls festzuhalten, daß die schwäbischen Automobilbauer nun der viertgrößte Rüstungsproduzent in der Bundesrepublik geworden sind. Mit MTU ist Daimler im Geschäft mit Flugtriebwerken (Tornado) und Panzermotoren (Leopard), mit Dornier im Flugzeugbau (Alpha Jet) und in der Raumfahrt, womit der Konzern in den Kreis jener Firmen gehört, die für eine deutsche Beteiligung am amerikanischen Weltraumverteidigungsprojekt SDI in Frage kommen.

Die Übernahme von Dornier durch Daimler wirft die Frage auf, ob in unserer Industriestruktur Unternehmen dieser Größenordnung, speziell wenn sie in der kapitalintensiven Spitzentechnologie tätig sind, noch als Familienunternehmen geführt werden können und wie der Bestand von Familienunternehmen über die Gründergeneration hinaus gesichert werden kann.