Wahlkampf

"Der Freund der SS soll heute sterben", schrien Anhänger von Andreas Papandreous Pasok auf einer Wahlkundgebung. Sie meinten Oppositionsführer Kostas Mitsotakis. Papandreous Anhänger hatten ein Photo ausgegraben, das den jungen kretischen Rechtsanwalt im Zweiten Weltkrieg zeigt – mit zwei freundlich lächelnden Wehrmachtssoldaten. War Mitsotakis ein Kollaborateur? Unsinn, sagt einer der beiden Deutschen, der heute mit einer Griechin verheiratet bei Athen lebt und im Kriege, kurz nach der Aufnahme des Bildes mit Mitsotakis, zu den griechischen Partisanen desertiert war: Mitsotakis war damals im Lager der Deutschen erschienen, um griechische Widerstandskämpfer vor Gericht zu verteidigen – er selbst gehörte zu ihren politischen Führern. Wahlkämpfer Papandreou verlegt sich jetzt auf allgemeine, unwiderlegbare Besenimpfungen seines Widersachers: "Er ist ein Auswurf der Gesellschaft, der Agent ausländischer Interessen, ein wandernder Jude..." Die Griechen, so scheint es, erleben im Wahlkampf den größten Hetzer seit der Zeit der antiken Rhetoren.

Auszeichnung für Günther Mack

ZEIT-Redakteur Günther Mack erhielt für seinen im ZEIT-magazin (Nr. 45/1984) erschienenen Artikel "Die Wüste wächst", der den Zusammenhang zwischen dem Hunger in der Sahel-Zone und dem Überfluß in den Industrieländern aufwies, den ersten Preis für entwicklungspolitische Reportagen 1984. Der Journalistenpreis Entwicklungspolitik, gestiftet vom Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, wird seit 1975 jährlich wechselnd für Beiträge in Zeitungen und Zeitschriften, im Hörfunk und im Fernsehen auf Vorschlag einer unabhängigen Jury vergeben. Die Preisverleihung durch den Bundespräsidenten erfolgt am 13. Juni in Bonn.