Wieviel tausend Menschen in Bangladesh durch den Wirbelsturm und die Springflut vom 24. und 25. Mai umgekommen sind, werden wir kaum je genau erfahren. Von 1300 Toten und zweieinhalb Millionen überlebenden Betroffenen sprachen Offizielle in Dhaka vier Tage nach der Katastrophe. Einen Tag zuvor war in der bengalischen Hauptstadt von 25 000 Toten, 30 000 Vermißten und 270 000 Obdachlosen die Rede gewesen – Hilfsorganisationen sprachen gar von 40 000 Toten.

Niemand wird je zählen können, wie viele Fischer in der stürmischen See den Tod fanden, wie viele Einwohner der kleinen, dichtbevölkerten Inseln im Ganges-Delta unter den bis zu 15 Meter hohen Fluten starben.

Bangladesh leidet fast alljährlich unter Wirbelstürmen. Die gewaltigen Zyklone, die über dem Meer entstehen und die gewaltigen Wassermassen in Bewegung setzen, führen in dem flachen, von breiten Flüssen und deren Nebenarmen durchzogenen Land regelmäßig zu Überschwemmungen. Die Inseln an den Mündungsarmen des Ganges im Golf von Bengalen gehören zu den fruchtbarsten Gebieten des armen Landes. Steigt die Flutwelle besonders hoch – das geschieht alle paar Jahre –, sterben Hunderte, Tausende.

Im November 1970 wurden mindestens 300 000 Menschen zu Opfern der bislang schlimmsten Überschwemmungskatastrophe in Ostbengalen. Im April 1977 starben 600 Bengalis durch einen Wirbelsturm, im Juni 1984 tötete eine große Überschwemmung 200 Menschen und vernichtete über 50 000 Häuser.

Den Überlebenden der Katastrophe fehlt es auch heute an Nahrung und Trinkwasser, Medikamenten und einem Dach über dem Kopf.

Viele suchen immer noch nach ihren vermißten Angehörigen. HJG