Ein Schweizer Unternehmen verkauft per Katalog Geschenke für Bürger der DDR. Zur Auswahl stehen auch viele Pauschalreisen.

Die Schweizer Firma Palatinus erfüllt viele Konsumwünsche. Wer seinen Verwandten oder Freunden in der DDR eine Freude machen will, findet im eidgenössischen Bestellkatalog ein reichhaltiges Sortiment aus der bunten westlichen Warenwelt. Auch das Statussymbol Reise läßt sich verschenken – eine Fülle von Urlaubsangeboten steht zur Auswahl.

Der Bestellmodus dafür ist indessen wesentlich komplizierter als der von flotten Reisebüros verwöhnte Westler meinen möchte. Der großzügige Geber muß erst einmal dem Empfänger und der Schweizer Firma seine Geschenkabsichten kundtun. Die Reiseabteilung setzt sich sodann mit GENEX in Verbindung, einer Vermittlerfirma in Ost-Berlin. An diese wendet sich der Beschenkte direkt, um Reiseziel und -zeitpunkt, Ausweichmöglichkeiten und Reisedauer zu vereinbaren.

GENEX macht daraufhin verschiedene Reisevorschläge. Hat sich der Empfänger entschieden, gibt er dem Vermittlerdienst Bescheid und dieser wiederum dem Partner in der Schweiz. Nach letzten Preis- und Angebotsverhandlungen mit dem Schenkenden bekommt GENEX den endgültigen Auftrag. Die DDR-Vertretung bucht und schickt dem Empfänger Reiseunterlagen und -Informationen.

Wohin nun kann ein Westler seine Lieben in der DDR zum Urlaub laden? Das Mittelmeer oder die Alpen sind selbstverständlich tabu. Die Auswahl für Auslandsfahrten beschränkt sich auf die Sowjetunion und die Tschechoslowakei, auf Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Polen.

In diesen Ländern freilich gibt es Programme für Kunstliebhaber und Kurbedürftige, für Wanderlustige und Wassersportler. Selbst Kreuzfahrten auf dem Schwarzen Meer (von 1800 Mark an für 10 Tage) oder auf der Ostsee (von 1370 Mark an für 15 Tage) gehören zum Geschenkprogramm. Auch Schiffsreisen auf der Wolga oder dem Dnjepr sind möglich, sie kosten von 1760 und 1400 Mark an.

In dieser gehobenen Preislage sind sonst nur noch eine siebzehntägige Flugreise in die Mongolische Volksrepublik (von 1735 Mark aufwärts) oder zwölf- bis vierzehntägige Städte-Flugreisen mit jeweils mehreren Destinationen in der Sowjetunion zu spendieren.

Ebenfalls nicht gerade billig sind Kuren in der Tschechoslowakei. In Piestany beispielsweise kostet eine 22 Tage lange Therapie gegen Erkrankungen des Bewegungsapparats oder gegen Nervenleiden von 2000 Mark an. Leber-, Gallen- und Magenleiden lassen sich in Karlovy Vary von 1800 Mark an (22 Tage) kurieren.

Um die tausend Mark freilich sind für die Gabe eines Auslandsaufenthaltes zumindest zu veranschlagen, sieht man einmal von wenigen einwöchigen Pauschalreisen nach Prag, Brno oder Budapest ab, die von etwa 700 Mark an zu haben sind.

Wesentlich günstiger kommt der westliche Reisespender weg, wenn er einen DDR-Bürger mit einer DDR-Destination beglückt. Ferien im Thüringer Land sind, sofern der Gast mit Einbettzimmer ohne Bad vorliebnimmt, bereits von 186 Mark pro Woche an zu ordern. Mecklenburgische, sächsische und thüringische Hotels mit Bad oder Dusche offerieren ihre Zweibettzimmer zu Wochenpreisen zwischen 370 und 560 Mark, Vollpension inklusive.

Nobles kann man für einen Ostsee-Badeurlaub springen lassen: Das Hotel Neptun in Warnemünde wartet mit Zweibettzimmern im „französischen“ und im „italienischen“ Stil auf, Kostenpunkt: um 1500 Mark pro Woche. Welcher Art diese mediterranen Finessen sind, verrät der Prospekt freilich nicht.

Die Extras der Interhotels hingegen, die bis Dezember 1985 zu den Pauschalwochen mit Vollpension zur Auswahl stehen, sind zweifellos solide.

Wer ins „Berolina“ oder ins „Stadt Berlin“ geladen wird (für 434 oder 525 Mark pro Einzelreisenden), der darf sich – für jeweils 25 Mark Aufpreis – an einer Aufführung der Deutschen Staatsoper, der Komischen Oper oder des Schauspielhauses erfreuen. Logieren im „Postdam“ macht eine zweistündige Spezialführung durch Sanssouci möglich, der Schenkende bezahlt dafür 50 Mark, für die Pauschale 483 Mark pro Einbettzimmer.

An Möglichkeiten fehlt es also nicht im eidgenössischen Geschenckatalog. Er verrät allerdings nicht, wie lange die Prozeduren dauern, bis alle Formalitäten abgewickelt sind. Wer es genau wissen oder gar Ferien verschenken will, der wendet sich an: Palatinus GmbH, CH-8023 Zürich, Linthescher-G. 15, Tel.: (0041/1) 2 11 63 11.

Isolde von Mersi