DIE ZEIT

Halbierte Reform, verpuffte Wirkung

Die Regierung hat eine große Chance vertan, vielleicht ihre letzte. Sie hat nicht den Mut gehabt, die Steuerreform in einem großen Schritt zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft zu setzen.

Kohl stützen oder stürzen?

Eigentlich hatte die CSU sich ja vorgenommen, das Desaster in Nord rhein-Westfalen kalt zu genießen. Sie hatte erwartet, daß die Schwesterpartei allein und ohne bayerische Nachhilfe genug kritische Unruhe entwickeln werde.

Worte der Woche

"Die CSU ist kein Stier, der wild dahintobt und alles umreißt – sie ist eine Lokomotive, die sich vielleicht langsam in Bewegung setzt, aber wenn sie in Bewegung ist, dann schon eine beträchtliche Masse auch an politischer Energie mit sich bringt.

Zeitspiegel

Der Bedarf schafft sich seinen Markt – auch in der Sowjetunion. Mehr als 14 Millionen Sowjetbürger hören regelmäßig das russische Programm der BBC, das der Londoner Sender täglich sechseinhalb Stunden lang ausstrahlt.

Evangelische Kirche: Politiker und aktiver Protestant

Der Eklat hätte fast noch die Wahl gefährdet. Am Ende aber mag er Jürgen Schmude den Entschluß erleichtert haben, sich aus der vordersten Linie der Politik zurückzuziehen, um Präses der Synode der Evangelischen Kirche in der Bundesrepublik zu werden.

Das Land am Tropf

Gemächlich schippert die Fähre über den Fluß, eine Stunde, zwei, drei, viereinhalb. Der Fluß ist breit, mehrere Kilometer. Dschunkenähnliche Lastkähne treiben unter schlaffen Segeln vorbei.

Die Flutkatastrophe

Wieviel tausend Menschen in Bangladesh durch den Wirbelsturm und die Springflut vom 24. und 25. Mai umgekommen sind, werden wir kaum je genau erfahren.

Eiserne Faust

Die Karikatur zeigt nur den einen Teil der Wahrheit: Rechts ziehen die Israelis aus dem Libanon ab, links schießen die Araber – Schiiten und Palästinenser – aufeinander.

Vertrauen

Zwei Milliarden Deutsche Mark hatte der Flick-Konzern seinerzeit aus dem Verkauf seiner Anteile bei Daimler-Benz erlöst. Es kam darauf an, diese gewaltige Summe wirtschaftlich sinnvoll und auch so wieder anzulegen, daß dabei Steuern gespart wurden.

Verwirrend

Zwei Ereignisse, zufällig am selben Tag in Polen passiert und doch symptomatisch für das Land, im Westen ohne große Aufregung notiert.

Genfer Ritual

Nun rücken sie wieder die Stühle zusammen um den viereckigen Genfer Verhandlungstisch: Die zweite Runde im Raketenschach der Weltmächte hat begonnen.

Eine Chance für Eureca

Es war ein Ritt über den Bodensee, bis die beiden am Dienstag endlich nach Konstanz gelangten. Das dünne Eis, auf dem ihre europäischen Konstruktionen beruhen, hatte schon geächzt, und auch die politische Freundschaft zwischen Helmut Kohl und François Mitterrand hatte einen Riß bekommen.

Europa und Star Wars

1. Die amerikanischen SDI-Forschungen sind gerechtfertigt. Durch sie wird zum einen ein Forschungsgleichgewicht für moderne Raketenabwehrsysteme zwischen den beiden Großmächten wiederhergestellt.

Rom: Attentäter vor Gericht

Der auf Monate berechnete Prozeß, der in Rom die Hintergründe des Papst-Attentats aufklären soll, ist schon zu Beginn durch mystifizierende Aussagen des Hauptzeugen und Mordschützen Ali Agça auf eine Barriere gestoßen.

BONNER BÜHNE: Fanfaren zu Pfingsten

Eine "neue Phase der Entspannungspolitik", so hat der FDP-Vorsitzende Martin Bangemann verkündet, werde von seiner Partei in der Koalition mit der CDU/CSU eingeleitet.

Unverbindliches zum Frieden

Die Absicht war löblich: Trotz drippelndem Regen – die Bundeswehr hatte rasch im Garten der Villa Hammerschmidt ihre olivgrünen Zelte aufgestellt – trafen sich als Gäste des Bundespräsidenten Jugendliche und "Vertreter des öffentlichen Lebens" am 22.

Libanon: Wer gegen wen?

Seit einer Woche tobt in Beirat eine der heftigsten Schlachten nach der israelischen Invasion vor drei Jahren: der Kampf der schiitischen Amal-Miliz gegen die rund 100 000 sunnitischen Palästinenser in den drei Flüchtlingslagern Sabra, Schatila und Bartsch el Bardschneh.

Wien ahoi!

Im badischen Spargelstädtchen Bruchsal sitzt ein kleiner Herr aus Wien und leidet. Mit einer Spezialkamera hat ihm der ortsansässige Heilpraktiker Peter Mandl die Strahlungen seiner Fingerkuppen und Zehen photographiert und eine Injektionskur verordnet.

Internationales WWF-Institut: Zurück zum Urwald

In den Räumen eines ehemaligen Elektrizitätswerkes hat Prinz Philip, Präsident des World Wildlife Fund (WWF), der weltweit größten privaten Naturschutzorganisation, das "internationale WWF-Aueninstitut" eröffnet.

CSU-CSM: Sanftere Töne

Man sah es ihm an: Der Mann war im Innersten getroffen. Äußerst erregt und heftig mißgelaunt sprintete der Augsburger CSU-Landtagsabgeordnete Hermann Knipfer aus dem Versammlungslokal, warf einem Parteifreund im Vorbeirauschen das Wort "Lügner" hin und verschwand im Dunkel der regenkalten Nacht.

Sinneswandel: Reform einer Reform

Die Abgeordneten des Kieler Landtags sind nach der schleswig-holsteinischen Landessatzung "bei der Ausübung ihres Amtes nur ihrem Gewissen unterworfen und an Aufträge und Weisungen nicht gebunden".

Immer noch diskriminiert

Das deutsche Börsenwesen muß reformiert werden. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Denn der Wettbewerb der internationalen Finanzplätze verlangt eine Struktur, die technisch leistungsfähig ist und durch möglichst wenige fiskalische Hürden behindert wird.

Ein listiger Manager

Seit vier Monaten schweigt der neue Renault-Chef Georges Besse beharrlich, seit seiner Ernennung im Januar meidet er die Öffentlichkeit.

Kommunikationstechnik: Werbepreis

Vom beinharten Wettbewerb auf dem Markt für moderne Kommunikationstechnik hat jetzt das Auswärtige Amt profitiert. Nach zweijährigen Verhandlungen mit Dutzenden von Firmen schlossen die Beamten in diesem Monat einen vorteilhaften Deal: Die Behörde erhält bis Ende 1988 eine völlig neue Telephonanlage, die auch die Telex- und Teletextdienste sowie Funkverbindungen zu allen deutschen Auslandsvertretungen erheblich verbessern wird.

Lufthansa: Geld gehortet

Die Lufthansa hat "ein exzeptionell gutes Jahr" hinter sich, wie Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau feststellte. Doch zum Ärger der Börse bleibt die Dividende mit neun Prozent mager; Finanzchef Günther Becher steckte lieber 81 Millionen Mark – genau so viel wie an die Aktionäre ausgeschüttet werden – in die Spardose.

Renten: Recht auf Zeit

Überraschend war der Schwenk schon gewesen, mit dem Norbert Blüm sich Anfang vergangenen Jahres von seinem lange favorisierten Modell der Teilhaber-Rente verabschiedete.

Bonner Kulisse

Soviel steht fest. Die Beamten sollen nicht darunter leiden, daß die Regierenden in Bonn alle Hände voll zu tun haben. Die Staatsdiener des Bundes bekommen den freien Tag, der ihnen zusteht, obwohl die entsprechende Verordnung den Instanzenweg noch nicht durchlaufen hat.

Landesbanken: Lothar Späth jongliert mit drei Bällen

Ein Blick auf die Liste der zehn größten deutschen Banken muß den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß mit zufriedenem Stolz erfüllen, denn gleich drei von ihnen haben ihren Sitz in München – zwei private und eine öffentlich-rechtliche.

Dänemark: Wieder Ruhe nach dem Sturm

Anfang Mai fanden die neuesten Umfrageergebnisse größere Aufmerksamkeit als sonst: wären jetzt Wahlen, so würden die oppositionellen Sozialdemokraten zusammen mit der links von ihnen plazierten Sozialistischen Volkspartei die absolute Mehrheit der Mandate erhalten.

Übernahmen: Der Hai hat sich verschluckt

Reingefallen ist T. Boone Pickens, und die Schadenfreude in den Chefetagen vieler US-Unternehmen darüber ist groß. Denn wann immer sich der Übernahme - Hai Pickens bisher eine Firma als Aufkaufopfer vorgenommen hatte – stets war er erfolgreich gewesen.

Öko-Bewegung: Graue Panther gesucht

Die Männer und Frauen, die über die Gründung einer Bank beraten, sehen bestimmt nicht aus wie Bankiers. Kein dezenter Anzug, keine Krawatte, keine adrette Sekretärin, die Kaffee serviert.

MANAGER UND MÄRKTE

Noch hat Arbeitsminister Norbert Blüm nur erst gedroht, er werde mit der staatlichen Hilfe einer Preisvergleichsliste für mehr Wettbewerb am deutschen Pharmamarkt sorgen.

ZEITRAFFER

Erste Meldungen aus einzelnen Bundesländern signalisieren: Die Kosten der Lebenshaltung stiegen wieder schneller. So betrug die Teuerungsrate in Nordrhein-Westfalen im Mai 2,4 Prozent, im April hatte sie noch bei 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gelegen.

Kein Faß ohne Boden

Hoffmann: Richtig ist, daß die Bundesregierung keine Beihilfen mehr zahlen will. Sie fürchtet das Präjudiz, sie nimmt wohl an, daß dann auch noch andere Stahlunternehmen die Hand aufhalten.

LÄNDER IM VERGLEICH

Im vergangenen Jahr hat – erstmals seit fünf fahren – die Welt-Erdölförderung wieder zugenommen. Der Grund liegt vor allem in der Konjunkturbelebung in den westlichen Industrieländern.

Zum Leben zu wenig...

Kurt Biedenkopf weiß es genau. "Mit der Sozialhilfe braucht niemand zu hungern." Der CDU-Politiker kann sich dabei auf das Gesetz berufen.

Arbeitsmarkt: Wachstum allein reicht nicht

In der Bundesrepublik prallen "neue Armut" und neuer Reichtum unmittelbar aufeinander. In den vergangenen Jahren ist die gesamtwirtschaftliche Leistung um ein rundes Drittel gestiegen.

Firmengründungen: Amerikas neue Kapitalisten

Vom "Zeitalter der Unternehmer" schwärmte Ronald Reagan auf dem Hambacher Schloß und ermutigte seine jungen Zuhörer, sich mit "Freunden zusammenzutun und jetzt oder später eine eigene Firma zu gründen".

+ Weitere Artikel anzeigen