Von Rudolf Herlt

Ein Blick auf die Liste der zehn größten deutschen Banken muß den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß mit zufriedenem Stolz erfüllen, denn gleich drei von ihnen haben ihren Sitz in München – zwei private und eine öffentlich-rechtliche. Lothar Späth dagegen, der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, findet unter den zehn Größten zu seinem Leidwesen keine einzige, die ihren Sitz in Stuttgart hätte.

Das will er ändern. Schließlich ist das Land im Südwesten der Bundesrepublik eine Region mit starken Industrieunternehmen, die auch auf Exportmärkten erfolgreich sind. Aber es gibt, anders als in Bayern, Hessen oder Nordrhein-Westfalen, keine leistungsfähige Landesbank, die in der Lage wäre, die Unternehmen ins Ausland zu begleiten. Diesen Mangel möchte Späth gern beheben. Die einseitig industriell orientierte Wirtschaftsstruktur des Landes will er durch einen leistungsfähigen Dienstleistungsbereich verbessern. Dazu gehört eine große Landes- oder Regionalbank.

Die Zersplitterung im öffentlich-rechtlichen Bankenbereich, die in München, Frankfurt und Düsseldorf längst überwunden wurde, besteht in Baden-Württemberg noch fort. Statt einer Landesbank gibt es deren zwei, die Württembergische Kommunale Landesbank in Stuttgart und die Badische Kommunale Landesbank in Mannheim. Aber anders als in den meisten anderen Bundesländern, in denen die Landesbanken je zur Hälfte dem Land und dem jeweiligen Sparkassenverband gehören, ist das Land Baden-Württemberg an den beiden Landesbanken überhaupt nicht beteiligt. Die Stuttgarter Landesbank gehört zu 100 Prozent dem Württembergischen Sparkassenverband, die Mannheimer Landesbank voll dem Badischen Sparkassenverband. Der Ministerpräsident hat also keinen direkten Hebel, über den er eine Fusion der beiden Institute einleiten könnte.

Eine Fusion könnten nur die beiden Sparkassenverbände als Eigentümer der beiden Banken beschließen. Doch allein die Erwähnung eines solchen Vorschlags löst bei den Mannheimern homerisches Gelächter aus. So wie die beiden Landesteile Baden und Württemberg zwar in einem Bundesland vereint sind, die Badener aber ihre Eigenheiten unbeirrt weiter pflegen, so pocht auch der Badische Sparkassenverband auf das Eigenleben seiner Bank.

Der Exponent dieser Haltung ist Wolfgang Klüpfel, der Verbandsvorsteher des Badischen Sparkassenverbandes, der gleichzeitig Vorsitzender des Verwaltungsrats bei der Badischen Kommunalen Landesbank ist. Er ist ein außerordentlich tüchtiger Mann und so dominierend, daß in der Bank und mit der Bank nichts gegen seinen Willen geschehen kann. Er ist entschlossen, die Selbständigkeit der Mannheimer Bank mit Zähnen und Klauen zu verteidigen.

An Klüpfel kommt auch Späth nicht vorbei. Er mußte sich schon etwas einfallen lassen, wenn er die Idee, eine leistungsfähige Landesbank zu schaffen, nicht von vornherein begraben wollte. Er würde seinem Ruf, ein guter Taktiker zu sein – im Ländle wird er mit schwäbischer Zärtlichkeit „Cleverle“ genannt –, nicht gerecht, wenn er nicht flexibel wäre. Er weiß, daß jedes Modell, das er in die Diskussion bringt (siehe Tabelle), nur mit dem Einverständnis aller Beteiligten Wirklichkeit werden kann. Deshalb geht er sehr behutsam zu Werke und erklärt, er sei für alle Lösungen offen; mit seinen eigenen Vorschlägen wolle er das ganze Unternehmen nur in Gang bringen.