Für die Nachfolge des scheidenden Landesvorsitzenden Peter Ulrich bat sich erst einmal nur ein Kandidat an: Jürgen Egert, Abgeordneter in Bonn, in der Partei alles andere als unumstritten. Auf dem rechten Flügel der Partei mehrten sich Stimmen, die Egert als zu exponierten linken Flügelmann und wenig attraktiven Spitzenkandidaten bezeichneten.

So traf sich letztes Wochenende ein Kreis von rechten Berliner Sozialdemokraten, vorwiegend Mitglieder des Abgeordnetenhauses und Parteifunktionäre, um einen eigenen Kandidaten für den Landesvorsitz zu küren.

Die etwa 40 Teilnehmer waren sich einig: Egert sei zwar ein guter Parteifunktionär, werde aber bei Wahlen in Berlin nicht ankommen, Mit Egert an der Spitze werde sich zeigen, daß die SPD in Berlin mit den 32 Prozent der letzten Wahlen noch immer nicht ihren Tiefpunkt erreicht habe.

Beklagt wurde auch, daß Egert den von ihm angekündigten Integrationskurs schon relativiert habe. So sei er zum Beispiel nicht bereit, den früheren Finanzsenator Klaus Riebschläger, der durch den Garski-Skandal 1981 zu Fall kam, als Kassierer der Landespartei zu akzeptieren. Im übrigen habe Egert vor vier Jahren, als die SPD und der von ihr geführte Stobbe-Senat wegen der Garski-Affäre in die Krise kam, alle Entscheidungen mitgetragen: Da könne er jetzt doch nicht als Saubermann auftreten, der alle an dieser Krise Beteiligten von Spitzenfunktionen ausschließen wolle.

Zudem hieß es bei den Rechten, die Berliner SPD brauche endlich wieder eine starke Führung. Zur Zeit bestehe die Berliner Sozialdemokratie aus zwölf verschiedenen Parteien, nämlich den Kreisverbänden. An Führung von oben habe es unter Peter Ulrich, dem Scheidenden, und Hans Apel, dem Gescheiterten, deutlich gefehlt,

Als Gegenkandidat zu Egert wurde von dem recht plötzlich einberufenen rechten Zirkel der 51 jährige Bundestagsabgeordnete Politologieprofessor Nils Diederich präsentiert, der erst am vergangenen Freitag von diesem Plan erfahren und nach einer Bedenkzeit zugesagt hatte. Diederichs war von 1971 bis 1976 Leiter der "Planungsleitstelle" des Berliner Senats, einer inzwischen wieder aufgelösten Einrichtung. Er gehört eher zur Parteimitte als an einen Flügelrand und könnte auch von den Linken der Berliner SPD akzeptiert werden, Diederichs ist sicher nicht die geborene Wahllokomotive, sondern eher ein Kompromißkandidat für die personell ausgeblutete Partei.

Vor Diederichs hatten die Rechten bei der Sozialstadträtin des Bezirks Charlottenburg, Ingrid Stahmer, angefragt, ob sie für eine Kandidatur bereit stehe; sie wollte sich jedoch nicht für eine"Egert-Verhinderungsstrategie" einspannen lassen. Dies hat die Rechten, die nach ihrer Meinung noch immer in der Partei die Mehrheit haben, jedoch nicht resignieren lassen, wie sich jetzt zeigt.