Die Fernsehsatire Hans-Jürgen Rosenbauers, die der WDR während des Staatsbesuchs von Präsident Reagan ausstrahlte, hat nun Folgen. Das Resultat der Überlegungen in der ARD-Programmkonferenz (bei Stimmenthaltung des WDR), das mehr die Handschrift von Juristen als von Journalisten verrät, geht aus einem Brief von Dietrich Schwarzkopf an den Intendanten hervor: "Betrifft: Satire im Fernsehen."

"In jedem Fall", heißt es da, "muß Satire für die Zuschauer deutlich erkennbar sein; Verwechselbarkeit mit anderen Formen muß vermieden werden. Wo Satire Bestandteil journalistischer Sendungen ist, muß sie ebenfalls klar ausgewiesen werden, und eine Vermischung mit den übrigen Bestandteilen der Sendungen muß unterbleiben. Vor allem sind Berichterstattung und Satire auseinanderzuhalten. Im Interesse der Glaubwürdigkeit des Fernsehens muß Irreführung von Zuschauern über den satirischen Charakter einer Sendung oder eines Sendungbestandteils ausscheiden." Künftig wird Hans-Jürgen Rosenbauer also ankündigen müssen: "Achtung, Satire!" Aber wer sorgt dafür, daß Politik nicht wie Satire wirkt?

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Zu den Raritäten in der Geschichte kurioser Dementis wird künftig jenes gehören, das einem Bericht der Süddeutschen Zeitung über Differenzen zwischen Außenminister Genscher und Kanzler Kohl nach dessen jüngstem Treffen mit François Mitterrand folgte.

Erstaunt, so hatte die SZ gemeldet, sei das Auswärtige Amt über zufriedene Kommentare Kohls zum Treffen in Konstanz. Der Kanzler habe sich in Sachen SDI und Eureca anders eingelassen als der Außenminister wenige Tage zuvor in Paris.

Am Tag der Veröffentlichung dementierte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Jürgen Chrobog, vor der Bundespressekonferenz. Dieses Dementi nannte er allerdings selbst einen ungewöhnlichen Vorgang. Wer wollte, konnte zwischen den Zeilen herauslesen, daß die SZ – aus Sicht des Auswärtigen Amtes – so schrecklich falsch gar nicht gelegen hatte. Mehr noch: Die Süddeutsche Zeitung und andere Blätter, die sich in Genschers Haus gut auskennen, berichteten tags darauf, Genscher habe auf "Kohls Verlangen" den Bericht über Differenzen dementieren lassen. In Kohls Namen, bitte sehr! Zu deutsch: Das Dementi wird auf subtile Weise dementiert.

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