Von Heinz Michaels

Ein Geisterflugzeug fliegt um die Welt, ruhelos wie der Fliegende Holländer. Es soll die europäischen Flugzeugbauer schrecken und die Manager der internationalen Fluggesellschaften verunsichern. Seine Konstrukteure haben schon vor Jahren auch einen Namen an seinen Rumpf geschrieben: Boeing 7-7.

Joe Sutter, bei Boeing, der Welt größtem Produzenten, für Verkehrsflugzeuge zuständig, hat jetzt auf der Luftfahrtschau in Paris einen Untertitel darunter gesetzt: Der neue 150-Sitzer. Und er hat auch gesagt, wie er sich die Verwirklichung vorstellt: Ein Flugzeug, das wieder mit Propellern angetrieben wird und deshalb sensationell sparsam im Verbrauch von kostbarem und teurem Treibstoff ist. Über die Hälfte des Treibstoffes lasse sich sparen, sagt Sutter.

Doch die Manager von Airbus Industries, dem europäischen Konsortium für den Bau von Verkehrsflugzeugen, lassen sich von Sutters Zukunftsvisionen nicht beirren. Es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig. Sie haben sich für den Bau des kleineren Airbus A320 entschieden, ein Kurz- und Mittelstreckenflugzeug für 150 Passagiere, das modernste Jet-Triebwerke erhält und 1989 im Einsatz sein wird. Die Airbus-Leute müssen in die Offensive gehen, wenn sie in diesem Markt überhaupt Fuß fassen wollen, einem Markt, auf dem in den nächsten zwei Jahrzehnten wahrscheinlich die meisten Flugzeuge verkauft werden.

Bisher teilten sich die Amerikaner Boeing und McDonnell Douglas diesen Kuchen. Doch seit der kleine Airbus auf dem Markt ist, hatten bis zur Pariser Luftfahrtausstellung fünf Fluggesellschaften Kaufverträge für 51 Flugzeuge vom Typ A320 unterschrieben – genug, um die Amerikaner nervös zu machen und eine Gegenoffensive auszulösen.

"Wir haben", erklärt Sir Adam Thomson, Chef der privaten Fluggesellschaft British Caledonian, die sich durch eine aggressive Preispolitik auszeichnet und deshalb nach kostengünstigen Flugzeugtypen Ausschau hält, "wir haben umfangreiche und sehr ins einzelne gehende Untersuchungen angestellt. Es war ein sehr knapper Endspurt zwischen der A320, und der Boeing 737/300 und der McDonnel Douglas MD/90. Doch schließlich gewann die A320, weil sie für British Caledonian die bestehenden ökonomischen Werte bis ins 21. Jahrhundert hinein bringt. Und das mit der fortschrittlichsten Technik."

Die Airbus-Manager zitieren solche Aussprüche mit Genuß. "Wir wissen", betonen sie, "daß unser Flugzeug den geplanten Propfan (so werden die künftigen Propeller-Flugzeuge genannt) auch in den neunziger Jahren überlegen sein wird." Trotz der enormen Treibstoffersparnis?