Unter Europas größtem Dach: Sportler, Künstler und Politiker fühlen sich wohl in der Westfalenhalle

Von Roland Kirbach

Dem 79jährigen Max Schmeling ist sie nurmehr nostalgische Erinnerung: "Die Westfalenhalle ist mein großes Sprungbrett gewesen." Im Juni 1927 erkämpfte er hier zum erstenmal die Europameisterschaft im Halbschwergewicht. Es war der Beginn einer Boxerkarriere, die ihn noch in viele große Arenen der Welt führte. "Aber eine Atmosphäre wie in der Westfalenhalle hab’ ich nicht mehr erlebt. Die strahlte so eine Wärme aus, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch."

Dem Konzertveranstalter Fritz Rau symbolisiert sie ein Stück Weltanschauung: "Für mich besteht die Welt nicht mehr aus dem Gegensatz von rechts und links. Mein Gegensatz heißt grün oder grau, Wald oder Beton. Und das gilt auch für Gebäude. Die Westfalenhalle ist für mich eine grüne Halle, nicht mit dieser Hingabe an Beton wie andere Hallen gebaut. Ich fuhr mich wohl da drin, sie ist die intimste Großhalle Europas."

Ein Hort der Geborgenheit ist sie den Sozialdemokraten, die erst jüngst wieder mit ihrem Kongreß "Arbeit und Umwelt" hier waren: "Wir haben eine sehr sentimentale Beziehung zu Dortmund und der Westfalenhalle. Dortmund ist ja so was wie die heimliche Hauptstadt der Sozialdemokratie", sagt der stellvertretende SPD-Vorstandssprecher Eduard Heußen. Eine "einmalige Atmosphäre" herrsche "in dieser traditionsreichen Halle", rühmte Willy Brandt, der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, auf dem Parteitag 1972, hier gefeiert wurde wie kein Politiker zuvor und keiner mehr danach – auch er selbst nicht.

Und sogar der Rheinländer Konrad Adenauer, sonst den Westfalen und dem Ruhrgebiet gegenüber eher distanziert, lobte einst: "Hier kommen die Leute so schön in Stimmung."

Was Sportler, Künstler und Politiker gleichermaßen fasziniert, ist eine Architektur, die seinerzeit als "kühn" galt und Aufsehen in den Fachkreisen der ganzen Welt erregte. Und das gleich zweimal: Die erste, 1925 eingeweihte Westfalenhalle fiel in einer Bombennacht 1944 in Schutt und Asche. Schon 1952 wurde an derselben Stelle die neue Westfalenhalle eröffnet.