„Ein Meisterwerk der Bau- und Raumkunst von wahrhaftig antiker Größe“, hatte ein Chronist 1925 die alte Halle gerühmt. Sie war, auf steinernen Umfassungsmauern bis zur Höhe des ersten Stockwerks, aus Holz und Glas gebaut. Als architektonische Novität bestaunt wurde, daß sie ohne Stützsäulen auskam und so von keinem der 5800 Sitze und 2500 Stehplätze aus die Sicht beeinträchtigt war. Sechs weitgeschwungene Bögen aus zusammengepreßten Balken trugen die Kuppel. „Köln ist eine Fabrik, Brüssel eine Garage und Paris eine Bahnhofshalle neben diesem fabelhaften Bauwerk“, schwärmte 1926 Paul Beving, der Chefredakteur der belgischen Zeitung Les Sports, nach einem Besuch in Dortmund.

Ohne störende Pfeiler

Die neue Halle wurde nach demselben Prinzip gebaut, nur größer. Über 12 000 Kubikmetern Stahlbeton wölben sich 1680 Tonnen Stahl zu Europas größter Hallenkuppel, unter der – wiederum ohne sichtbehindernde Pfeiler – an die 15 000 Besucher Platz finden. Dank reichhaltiger Holzausstattung im Innern vermittelt sie dennoch keinen Betoncharakter, hält Fritz Rau sie irrtümlich gar für eine „Holzhalle“.

Es gehörte schon Mut dazu, solch einen Bau hinzusetzen – sowohl 1925 als auch 1952. In beiden Fällen herrschten wirtschaftlich schlechte Zeiten, waren die Folgen eines jeweils sieben Jahre zuvor beendeten Krieges noch zu spüren. Kritik wurde laut: Es gebe doch wohl Dringenderes als den Bau von Europas größter Veranstaltungshalle. Eher kleinmütig standen die Stadtväter denn auch zu ihrem Beschluß. Bis heute ist zum Beispiel keine Unterlage darüber aufzufinden, wieviel die erste Halle eigentlich gekostet hat – und das hat nicht nur damit zu tun, daß mit der Zerstörung des Baus 1944 auch sämtliche Geschäftsunterlagen vernichtet wurden. Das einzige, was die Dortmunder 1925 immer wieder erfuhren, war der Hinweis, am Bau seien 33 Dortmunder Firmen beteiligt gewesen.

Schon bald wurden die Kritiker indes eines Besseren belehrt. Oberbürgermeister Ernst Eichhoffs Beschwörung bei der feierlich-steifen Eröffnung sollte sich rasch erfüllen: „Die Wirkungen werden, ausstrahlen weit über Dortmunds Grenzen hinaus. Die Westfalenhalle ist eine wertvolle Gabe für ganz Westfalen, für den ganzen Westen. Als Gegengabe erbitten wir: Unterstützt das große Werk und sichert seinen Bestand!“

Binnen kurzem wurde „das stolze Bauwerk eine Sammelstelle ertüchtigender Leibesübung und gemeinnütziger Bestrebungen“, wie es Reichspräsident Paul von Hindenburg ausdrückte. Die Ausbreitung des Radsports mit den legendären Sechs-Tage-Rennen oder die Hoch-Zeit des Boxsports sind ebenso untrennbar mit der Westfalenhalle verbunden wie der Eiskunstlauf oder der Hallenhandball. „Die Westfalenhalle stand Pate, aus dem Handball einen Hallensport zu machen, der bis dahin fast nur ein Feldsport war“, sagt der Dortmunder Willi Daume, der als 12jähriger Steppke schon bei der Eröffnung der ersten Halle dabei war und später als Handballtorwart von TuS Eintracht 48 dort spielte. Flach unten links, erinnert man sich noch heute in Dortmund, ließ er den Ball besonders oft ins Netz sausen.

Dortmunds Leichtgewichtringer Eduard Sperling, genannt „Spatz“, wurde hier Europameister; der „fliegende Holländer“ Piet van Kempen feierte im Rennsattel Triumphe, ebenso das Gespann Karl Göbel und Alfredo Dinale („Göbel/Dinale treten die Pedale“); Max Schmeling nahm hier dem Belgier Fernand Delarge den Europameistertitel ab und verteidigte ihn vier Monate später gegen den Schweizer Louis Clement.