Außergewöhnlich

"World-Music-Meeting". In keiner anderen musikalischen Praxis hat der Workshop, die Werkstatt, eine so substantielle Bedeutung wie im Jazz – diese Lust unter den Improvisatoren, sich mit Gleichgesinnten gleicher Qualität zu messen, gemeinsam eine Musik "herzustellen", die es so und keinen Deut anders vorher nicht gab. Das Ergebnis solch einer Sitzung bietet diese Schallplatte (und da nicht alles daraufgepaßt hat, bekam sie eine Single als Beilage – mit einem der schönsten Stücke). Es trafen sich im Kurfürstlichen Schloß zu Mainz Jazzmusiker aus acht Ländern. Sie spielen Flöte, Geige, Bandoneon, Klavier, Marimbaphon, Saxophon, Trompete, Perkussionsinstrumente. Schwer zu beschreiben, welche Art von Jazz sie machen: Er wird, in jedem der fünf langen Stücke, geduldig ausgesponnen – das heißt auch, daß diese Musik niemals lärmt, sondern eher meditative Teilnahme zu wecken versteht. Wenn die Virtuosen miteinander spielen – wirklich im alten Sinne: konzertieren –, wollen sie etwas "sagen"; es scheint, als hätten sie sich zu langen, meist wohlklingenden, Gesprächen getroffen, in denen – es ist ja Musik – meistens zwei, drei, mehrere gleichzeitig spielen, "diskutieren", etwas schildern, sinnieren, aufeinander und in sich hineinhorchen, und manchmal sieht man ihre Musik tanzen. (Eigelstein im EfA-Vertrieb 13-60 24) Manfred Sack