Vor zehn Wochen rühmte sich der Innenminister auf die übliche penetrante Weise noch selbst. Er habe in Brüssel beim Streit um Katalysator-Autos "den gordischen Knoten durchgehauen", verkündete Friedrich Zimmermann. Heißen sollte das: Es ist geschafft – seht her, Leute, hier steht der große Waldretter.

Was immer Zimmermann in Brüssel zerschlagen hat – der berühmte Knoten war es nicht. Denn in diesen Tagen ist der alte Streit vor allem mit Großbritannien, Frankreich und Italien wieder heftig entbrannt, wieviel giftige Abgase denn nun die Autos in der Europäischen Gemeinschaft künftig ausstoßen dürfen. Klar ist dabei nur, daß die Deutschen mit ihren Forderungen noch weiter als bisher schon zurückstecken müssen.

Nicht was technisch zum Schutz der Umwelt leicht möglich wäre, sondern ökonomisch von den fußkranken Autounternehmen in Frankreich und Großbritannien verkraftet werden kann, gilt als Richtschnur für die kommende Vorschrift in der Gemeinschaft. Ganz anders als Zimmermann das dem Wahlvolk weismachen wollte, wird deshalb wohl für mehr als acht von zehn Neuwagen – nämlich alle Wagen bis zwei Liter Hubraum – der abgasreinigende Drei-Wege-Katalysator überhaupt nie Pflicht werden. Der deutsche Wald wird’s spüren. üth