Das Wort Gebrauchshund ist mir zuwider. Ein Hund ist kein Gegenstand, den man gebrauchen kann oder nicht. Sollte es wenigstens nicht sein. Zugegeben sei, daß die ungewöhnlichen genetischen Anlagen des Hundes, verbunden mit seiner hohen Intelligenz von jeher den Menschen zum Mißbrauch angeregt hatten: Der Hund als Helfer beim gegenseitigen Abschlachten in Kriegen, der Hund, Handlanger beim Töten anderer Tiere, als Werkzeug des Jägers, der Kettenhund als Ersatz für Waffen, um Eigentum zu schützen, gleich, ob es legal oder illegal erworben ist.

Die große Lernfähigkeit, die Stärke und die unerklärliche Affinität zum Menschen machten den Hund zum dummen August seines Gebieters: zum Sklaven, zum Hätschelobjekt oder Ersatz fürs Schießeisen. Je nach Gusto. Denn eines kann der Hund so wenig wie jedes andere Tier: zwischen Gut und Böse unterscheiden. Das kann allein der Mensch, dem ein Großhirn zu Gebot steht, und er hat allerlei damit erreicht.. Um das zu erkennen, muß man sich nur umsehen auf diesem Planeten.

Von allen Eigenschaften des Hundes, derer sich die Menschen bedienen, ist mir die Verwendung als Hüter der Herden die liebste. Und genau darum geht es in –

Donald McCaig: "Nop, der Sieger", aus dem Amerikanischen von Annette Charpentier; Rowohlt Verlag, Reinbek; 284 S., 32,–DM.

Die fabelhaften Eigenschaften der heutigen Hütehunde beruhen auf der ursprünglichen Fähigkeit ihrer Vorfahren, als freilebende Jäger das Wild zu erspüren, zu verfolgen, einzuholen und zu stellen. Dann reißt die Instinktkette ab. Töten soll der Hund in diesem Fall nicht für den Menschen. Der ernährt ihn. "Nop, der Sieger" – Originaltitel, wie meist, anders und besser, nämlich "Nop’s Trials", also Nops Prüfungen –, ist eine locker und kundig geschriebene Geschichte über Virginia und seine Farmer mit deren Familien. Das liest sich spannend, nimmt sich authentisch aus. Nop, der preisgekrönte Hütehund, wird entführt, kommt bei einer Reihe von Besitzern in die schwierigsten Situationen, entgeht mit knapper Not dem Tod durch Tierversuch in einem pharmazeutischen Labor. Glück und Klugheit bewahren ihn vor dem Schrecklichsten.

Den Elogen des Klappentextes von James Herriot, einem Kollegen von Donald McCaig, kann ich nicht folgen. Ebensowenig den enthusiastischen Zitaten aus der New York Times. Auch der Vergleich mit Jack London scheint mir sehr hoch gegriffen. Denn überall da, wo es wirklich um Nop geht, um seine Gefühle, Vorstellungen, um die Denkweise eines Hundes also, wird die Lektüre merkwürdig peinlich. Der Autor läßt Nop und seine Gefährten miteinander reden wie Kreuzberger Hauswirte mit ihren türkischen Mietern: "Herr hat keine Wollis (Schafe). Fahre zu Wollis. Wenn ich gut arbeite, gibt Herr mir Futter. Wenn schlecht, nimmt er die Hand und tut weh." Dies und Ähnliches zu lesen, tut in der Tat weh. Und es wäre mehr als eine Überlegung wert, warum Thomson-Seton die Tiere sprechen lassen kann, warum Jack Londons irischer Terrier uns in seinen Äußerungen glaubwürdig erscheint, oder Kiplings freundlicher Bär Balu, aber Nop eher Peinliches von sich gibt.

Sicher hat es etwas damit zu tun, daß McCaig mehr von Virginia und den Bewohnern dieses schönen Landes versteht als von Hunden. Wenn der Roman "Die Abenteuer des Lewis Burkholder" heißen würde (das ist der Besitzer von Nop), wäre es dem Leser vielleicht gar nicht so aufgefallen. Gert Haucke