Vermutlich sind Fußball- und andere Fans immer latent bereit, auszuflippen. Aber gewiß sind britische Fußballfanatiker (Schotten, vor allem aus Glasgow, müßten geradezu gekränkt sein, wenn sie nicht einbezogen würden) die schlimmsten Rowdys. Und wo sie von ihren Altvordern gelernt haben, sie gehörten eigentlich gar nicht zu Europa, macht sie das bei Ausflügen auf den Kontinent besonders übermütig, vor allem wenn es gegen Dunkelhaarige aus dem Süden geht, von ihren Vätern und Großvätern als dagos, von ihnen selber als ginos verachtet. Soweit, aber auch nicht weiter, spielt Chauvinismus mit.

Besonders entsetzt sind manche über die Rabauken, da es sich doch um englische gentlemen handelt, die nicht nur das Fußballspiel, sondern auch das fair play erfunden haben.

Darin stecken zwei Irrtümer.

Erstens hat noch kein Vernünftiger behauptet, die Engländer seien geborene gentlemen. Im Gegenteil: Aus der Erkenntnis, daß der Mensch von Natur aus egoistisch und voller Aggressionen ist, wurde das Ideal des "freundlichenMenschen", des gentleman geboren als Ziel der Erziehung an den public schools, zuerst in Rugby.

Und nicht, daß zu den vielen Spielen, die an den public schools erfunden oder in Regeln gefaßt wurden, auch Fußballspiele gehörten, sagt etwas aus. Sondern wichtig ist, daß die public Schools nicht mitmachten, als der erste professionelle Fußballverband (football Association) dem akademischen Spiel eigene Regeln gab, wodurch daraus Association football wurde, kurz soccer genannt. In Rugby jedoch wurde weiterhin der Ball so getragen und getreten, wie es noch heute in dem Spiel, das den Namen der Schulstadt trägt, die Regel ist. Rugby gilt Laien als besonders hart und gefährlich. Das Publikum jedoch ist ungefährlich, zu Krawallen nicht geneigt, noch heute eher gentle.

Begriffe wie fair play stammen aus dieser Welt des Sportes für gentlemen, dessen typischste Spielart Kricket ist. Kein Engländer käme auf die Idee, ein ruppiges Fußballspiel zu verurteilen mit den Worten "this is not soccer". Aber "this is not cricket" bedeutet, "das ist nicht fair".

Nie gab es in England nur die Welt der Privilegierten, wenn auch ausländische Besucher vor allem die Engländer kennenlernten, die zu dieser Welt gehörten. Daneben gab es zu allen Zeiten die Unterprivilegierten, die sich nicht benehmen konnten, die keine gute Schule hatten besuchen dürfen, deren Wut sich immer einmal wieder Luft machen mußte, sei es durch ungeheuren Alkoholkonsum oder durch Krawall, wobei das eine nicht selten zum anderen führte.