Entwicklungshilfe schadet allen, denen sie angeblich nützen soll, ganzen Ländern wie einzelnen Betroffenen. Sie muß deshalb sofort beendet werden." Das ist das bittere Fazit von Brigitte Erler, die als Bundestagsabgeordnete und Referentin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit Hilfe für die Dritte Welt zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hatte. Nach einer Dienstreise aus Bangladesch zurückgekehrt, kündigt sie fristlos ihre gut dotierte Stellung und schreibt ihren Bericht "Tödliche Hilfe", aus dem das Eingangszitat stammt.

Es ist ein Sachbuch, geschrieben im Zorn über die wahnwitzige Verschleuderung von Unsummen, die in den "beschenkten" Ländern die Reichen reicher und die Armen noch ärmer machen.

Eine wichtige und zugleich tief deprimierende Lektüre. Jo Pestum versucht, das Problem Entwicklungshilfe seinen jungen Lesern nicht als Sachbuch sondern als Roman nahezubringen –

Jo Pestum: "Die Zeit der Gazelle"; Verlag Benziger, Zürich, Köln; 160 S., 19,80 DM.

Das ist methodisch sicher ein richtiger Weg, der dazu führen könnte, daß junge Leser sich nach dieser spannenden Lektüre anaeren, weiterführenden Sachbüchern zuwenden, die ganz konkrete Informationen liefern.

Pestum läßt Albert, das Ich des Autors, über seinen Besuch in Zaire berichten. Dort arbeitet Alberts Bruder Simon an einem Entwicklungshilfeprojekt auf einer Versuchsfarm. Alberts Freude auf das afrikanische Abenteuer bleibt in der Vorfreude stecken. Er trifft auf ein verbittertes, zynisches Häufchen Menschen, die verbissen an einem Versuch weiterarbeiten, der eigentlich schon gescheitert ist. Sinn und Notwendigkeit des Projektes erscheinen immer fragwürdiger. Der Widerstand der einheimischen Bevölkerung wächst, endet in Feindseligkeiten. Eine schillernde, düstere Figur, der "Schakal", steckt hinter den entmutigenden Sabotage-Akten. Eifersucht ist im Spiel. Bruder Simon ist leidenschaftlich an eine schöne schwarze Frau gefesselt, eine Liebe, die schließlich das gesamte Entwicklungshilfe-Projekt zum Scheitern bringt.

Das wird in knapper Form dargestellt, die Liebesgeschichte unsentimental, aber durchaus mit poetischen Akzenten erzählt.

Die tatsächlichen Gründe für das Scheitern dieser und ähnlicher Versuche werden nicht analysiert, es bleibt bei Andeutungen. Aber dieser Roman für Jugendliche – ein sehr lesbarer, wie ich meine – will erstes Interesse an diesem großen Fragenkomplex herstellen, hinführen zu Texten, die diesen Problemen systematisch, kritisch und gründlich nachgehen. G. H.