DIE ZEIT

Offensiv

Nachdrücklich hat Hans-Dietrich Genscher seine Außenpolitik von der FDP einsegnen lassen. Einstimmig verabschiedete der kleine Parteitag eine Resolution: offen gegen ein Wettrüsten im Weltraum; verhalten gegen das amerikanische SDI-Projekt; und brennend dafür, die Stunde Europas – jetzt – zu nutzen.

Das Massaker im Stadion

Je weniger wir etwas begreifen, desto mehr Worte machen wir darum. Bestürzung äußert sich in beredter Ratlosigkeit. Achtunddreißig Tote und fast fünfhundert Verletzte als Ergebnis eines Fußballspiels – wer kann das erklären? In der Hoffnung, daß der Schrecken sich mildert, wenn wir nur erst die Theorie des Übels gefunden haben, suchen wir nach der Plausibilität des Entsetzlichen.

Jeder für sich und den Rest der Welt

Es ist schon fast Legende: Als der weiland unverbrauchte Rainer Barzel von seiner Partei in Klausur geschickt wurde, um über das heikle C im Unionsnamen nachzudenken, kehrte er mit der Einsicht zurück: In der Bibel steht nichts über den Milchpreis; aber es gibt einen Milchpreis, der ist gegen die Bibel.

Zeitspiegel

In einem Brief an den ungarischen Außenminister Várkonyi protestierten unter anderem Heinrich Böll, Günter Grass und Hans Magnus Enzensberger gegen ein Einreiseverbot, das die ungarischen Behörden über Hans-Henning Paetzke, einen der namhaftesten deutschen Übersetzer ungarischer Autoren (u.

Worte der Woche

"Manche Damen und Herren Abgeordnete haben noch nicht begriffen, daß wir beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Tabus brechen müssen.

Chinas Ministerpräsident: Ein Mann mit "Raketensatz"

Für einen Chinesen ist Zhao Zwang sehr hochgewachsen. Seinen Gönner Deng Xiaoping, er mit 80 Jahren noch immer die unbestrittene Nummer eins im Reich der Mitte ist, überragt der Ministerpräsident um Haupteslänge; auch der Parteichef Hu Yaobang wirkt neben ihm winzig.

Ein roter Bürger-Zar

Reschid, dem Hochhaus-Handwerker, der über eine breite "Basis" für jede Art von Materialbeschaffung verfügt, tritt feuchter Schimmer in die Augen.

Griechische Wahlen: Papandreous Mythos siegte

Bei Sonnenuntergang, genau um 20.42 Uhr, wurden am vergangenen Sonntag in Griechenland die Wahllokale geschlossen. Drei Stunden später schon ließen die im Athener Zappeion-Pressezentrum eintröpfelnden Resultate einen deutlichen Pasok-Trend erkennen, gerade auch in traditionell, konservativen Gegenden und Hochburgen der Nea Dimokratia-Opposition.

Ben Witter: Angetippt

Die Gegend umfaßt drei Straßen, und man hat sie in zehn Minuten abgeklappert. Der Delikatessenhändler ist gelernter Koch und stellt die Pasteten selber her.

Wolfgang Ebert: Das Verhör

"Bitte, Herr Brandt, kommen Sie doch auf einen Sprung mit uns, eine reine Routinesache. Hatten Sie einen guten Flug? Bitte, nehmen Sie Platz, Sie kommen gerade aus, richtig! Moskau, stimmt’s? Was trieb Sie eigentlich schon wieder in die KP-Zentrale? Wollten Sie nur unserer Regierung in den Rücken fallen, ein bißchen Ostpolitik auf eigene Faust machen und so ganz nebenbei die westliche Verhandlungsposition in Genf schwächen? Oder nur ein paar liebe Gen.

Militarisierung des Weltraums: Es geht um Grundfragen der Allianz

François Mitterrand hat sich längst den weiten Mantel seines großen Vorgängers Charles de Gaulle umgehängt, unter dessen strenger präsidialer Zucht Frankreich zu seiner Tradition zurückgekehrt ist – als führende europäische Macht, völlig souverän und unabhängig, auch vom Willen der Weltmächte.

Nahost: Palästinenser ohne Ausweg

Fünfhundert Tote in zwei Wochen, weit über zweitausend Verwundete – diese Bilanz zog die Beiruter Polizei nach zwei Wochen Kleinkrieg zwischen Schiiten und Palästinensern.

Berliner SPD: Rechts gegen Links

Für die Nachfolge des scheidenden Landesvorsitzenden Peter Ulrich bat sich erst einmal nur ein Kandidat an: Jürgen Egert, Abgeordneter in Bonn, in der Partei alles andere als unumstritten.

Korea: Das Mißtrauen bleibt

Die Nordkoreaner kamen mit großem Troß und einer grandiosen Vision: Die Grenze zwischen Nord und Süd, durch "ausländische Intervention" geschaffen, könne "sofort beseitigt werden, wenn wir es nur wollen".

NAMEN UND NACHRICHTEN

Werner Scherer wurde als Nachfolger Werner Zeyers zum neuen Vorsitzenden der saarländischen CDU gewählt. Zeyer will sich nach der Niederlage seiner Partei bei den Landtagswahlen am 10.

Kabelgrüße aus Moskau

Ausgerechnet Ted Turner? Eben noch hatte der 46jährige Kabelfernseh-Unternehmer aus Atlanta versucht, den Fernsehgiganten CBS unter seine Kontrolle zu bringen.

BONNER BÜHNE: Betrifft: Satire

Die Fernsehsatire Hans-Jürgen Rosenbauers, die der WDR während des Staatsbesuchs von Präsident Reagan ausstrahlte, hat nun Folgen.

Eine Schande für Europa

Auf Ruhe und Ordnung in ihrem Lande haben beide immer sehr geachtet.........................................................

Gentlemen und Hooligans

Vermutlich sind Fußball- und andere Fans immer latent bereit, auszuflippen. Aber gewiß sind britische Fußballfanatiker (Schotten, vor allem aus Glasgow, müßten geradezu gekränkt sein, wenn sie nicht einbezogen würden) die schlimmsten Rowdys.

Verlängerung des Salt II-Vertrages: Steigt Amerika aus?

Wenn die "U.S.S. Alaska" im September zu ihrer Jungfernfahrt in See sticht, wird dieses siebte amerikanische Trident-Unterseeboot nicht nur mit 24 Raketen, sondern auch mit brisanten politischen Problemen befrachtet sein: Entweder werden die Vereinigten Staaten mit der "Alaska"-Testreise in voller Absicht das Salt II-Abkommen durchbrechen oder sie werden, um dies zu vermeiden, gleichzeitig eines ihrer älteren, aber leistungsfähigen Poseidon-Unterseeboote mit 16 Raketen oder alternativ 14 landgestützte Minuteman III-Raketen verschrotten.

Indien: Der Tag der Rache

Mit nervöser Spannung wartete Delhi auf den 6. Juni. Versammlungen von mehr als fünf Personen waren verboten, Armee und Sicherheitskräfte wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Island: Sie kommen alle wieder

Bleiben die Jungen oder werden sie von besseren Arbeitsmöglichkeiten ins Ausland gelockt? Bei einem kleinen Land geht es, wenn die Wirtschaft stagniert, immer gleich um die Zukunft überhaupt.

Beleidigung: Kanacker heißt Kanacker

Sonntagnachmittag, 2. September 1984, Bahnhof Kiel: Vier Kieler bringen drei Sylter zum Zug. Die jungen Männer sind betrunken – jeder acht Halbe und acht Kurze.

Steuerlust statt Steuerlast

In den Wandelgängen des Kongreßgebäudes in Washington wimmelt es dieser Tage von Lobbyisten. Distinguierte, elegant gekleidete Damen und Herren schieben Wache vor dem Eingang des Sitzungssaals, in dem das "Ways and Means Committee" tagt.

Konsequent, aber riskant

Nach der CDU-Niederlage in Nordrhein-Westfalen schien die Zeit der wirtschaftspolitischen Wunderheiler anzubrechen. Komplette Rezepturen zur baldigen Beseitigung der hohen Arbeitslosigkeit und zum Gewinnen der Wahlen kursierten in Bonn und in München, wo die CSU eine umfangreiche ökonomische Therapie präsentierte.

Rechnungshof: Schacher

Der Himmel bewahre den Steuerzahler davor, daß Waldemar Schreckenberger Präsident des Rechnungshofes wird. Wer als Chef des Kanzleramtes so kraß versagte, ist auch als Hüter von Milliarden Steuergeldern ungeeignet.

Ärzte: Erpressung

Wenn Norbert Blüm den "Verfall der sozialen Sitten" bei den Ärzten beklagt, so meint er gewiß nicht alle Mediziner, sondern nur einige wenige, die als Verbandsfunktionäre den Stand in Verruf bringen – mit abgefeimten Reden.

Umweltschutz: Eigenlob

Vor zehn Wochen rühmte sich der Innenminister auf die übliche penetrante Weise noch selbst. Er habe in Brüssel beim Streit um Katalysator-Autos "den gordischen Knoten durchgehauen", verkündete Friedrich Zimmermann.

Bonner Kulisse

Es war kaum anders zu erwarten. Zwischen Sozialdemokraten und Unionsvertretern im Flick-Untersuchungsausschuß ist offener Streit entbrannt.

Bergbau: Knappen aus dem Labor

Als Karlheinz Bund gerade Chef der Ruhrkohle war, hatte er einen verwegenen Gedanken: Eines Tages werde es möglich sein, Kohle mit Hilfe von Mikroben zu fördern und damit Lagerstätten zu erschließen, die wegen ihrer Tiefe dem klassischen bergmännischen Abbau nicht zugänglich seien.

Börsen-Report: Im Exportboom

Jeder feste Börsentag zeigt es aufs neue: Auslandskäufe "machen" die deutschen Aktienkurse. Aber immer deutlicher werden die kräftig gestiegenen Kurse von mehreren Seiten abgesichert.

Flugzeuge: Der Kampf der Giganten

Ein Geisterflugzeug fliegt um die Welt, ruhelos wie der Fliegende Holländer. Es soll die europäischen Flugzeugbauer schrecken und die Manager der internationalen Fluggesellschaften verunsichern.

Notare: Geldgier macht das Leben lustig

Notare sind ein hochangesehener Berufsstand. Wie Türme in der Schlacht stehen sie im Wirtschaftsleben, denn bei ihnen hört das Feilschen und Über-den-Löffel-Balbieren auf: Sie müssen alle Klienten unparteiisch beraten, deren wirtschaftlichen Interessen schützen, Ansätze zu Streit oder gar Schäden verhindern.

Israel: Das Wunder währt nicht ewig

Was er wirklich dachte, sagte der Finanzminister nicht dem Kabinett, sondern der Presse. Die von der israelischen Regierung soeben beschlossenen Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung seien von politischen Überlegungen bestimmt gewesen, verkündete Yitzhak Moda’i.

ZEITRAFFER

Deutsche Urlauber, die in diesem Jahr ins Ausland reisen wollen, müssen mehr harte Mark mitnehmen, wenn sie die gleichen Güter und Dienstleistungen erwerben wollen wie im Vorjahr.

Ein fauler Trick

Roth: Ich halte das Ganze weitgehend für ein Täuschungsmanöver. Nehmen wir nur die billigen Investitionskredite für die Gemeinden.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Brief an Bundesentwicklungsminister Jürgen Warnke, der seit einer Woche bei den Grünen in Bonn kursiert, ist für die Bundesregierung eher peinlich.

AUTOSELLER

Der Katalysator hat nicht nur beim Autokäufer für Verwirrung gesorgt – auch die monatliche Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes ist nun nicht mehr das, was sie einmal war: eine verläßliche Quelle für die Beliebtheit einzelner Autotypen beim deutschen Kunden.

Cowboy schlägt HB-Männchen

"Die HB", sagte Hermann Feldgen, Sprecher der Hamburger BAT Cigarettenfabriken, über die Top-Marke seines Unternehmens, "liegt stabil.

Rentenfrage gibt es nicht

In Schweden beruht das staatliche Alterssicherungssystem im wesentlichen auf zwei Einrichtungen, der Grundpension und der Allgemeinen Zusatzpension.

Ausweg in kleinen Schritten

Gegen die einheitliche, steuerfinanzierte Grundversorgung lassen sich ordnungspolitische Argumente kaum vortragen. Sie ist die solidarische und subsidiäre Alterssicherung, zu der ein freiheitliches Gemeinwesen seine Bürger verpflichten darf.

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