Mikroben gewinnen Metalle und entschwefeln Kohle

Als Karlheinz Bund gerade Chef der Ruhrkohle war, hatte er einen verwegenen Gedanken: Eines Tages werde es möglich sein, Kohle mit Hilfe von Mikroben zu fördern und damit Lagerstätten zu erschließen, die wegen ihrer Tiefe dem klassischen bergmännischen Abbau nicht zugänglich seien. Damals erntete er ungläubiges Staunen. Inzwischen sind die "Mikro-Knappen" im Bergbau etablierte Helfer.

Zwar bringen sie noch keine Kohle ans Tageslicht, im Erzbergbau sind sie jedoch bereits fleißig tätig. Experten schätzen, daß schon heute weltweit fünf Prozent der Metalle mit Hilfe von Mikroben gewonnen werden. "Allein in den USA", schreibt der Wissenschaftsjournalist Harald Steinen, "werden jährlich etwa 220 000 Tonnen Kupfer, das sind 13 Prozent der gesamten Förderung, durch Halden- oder Grubenlaugung erbracht."

Inzwischen wird die Mikrobentechnik auch in der Bundesrepublik angewendet. Die Preussag in Hannover, das größte deutsche Bergbauunternehmen für Buntmetalle, experimentiert seit langem mit Mikroben und hat im vergangenen Jahr die Laborphase verlassen. Seitdem werden im Bergwerk Rammeisberg bei Goslar Praxisversuche gefahren, von deren Ergebnis sich Preussag-Vorstandsmitglied Ekkehard Greinacher eine Verlängerung des Lebens der seit tausend Jahren betriebenen Grube verspricht.

Für den bergmännischen Abbau ist das älteste Bergwerk Europas in wenigen Jahren erschöpft. Was dann noch an Zink-, Blei- und Kupfererzen in der Grube steckt, kann nicht mehr rentabel gewonnen werden. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag und für die mehr als vierhundert Mitarbeiter der Grube gibt es dann keine Beschäftigung mehr. Aber die Mikroben arbeiten nicht nur ohne Lohn und Sozialaufwand, sie kommen auch in Ritzen und Spalten, die für Menschen unzugänglich sind. Dort waren sie übrigens schon immer, sie finden ihre Nahrung im Berg.

Häufig sind Metall und Schwefel miteinander zu sogenannten sulfidischen Erzen verbunden. Die Mikroben oxidieren das Erz und bilden Schwefelsäure, die das Gestein zersetzt und das Erz löst.

Ohne jede Nachhilfe des Menschen enthält beispielsweise das aus dem Rammeisberg sickernde Grubenwasser je Liter rund zwei Gramm Zink und etwa 0,2 Gramm Kupfer. Diese Lösung kann schon aus Gründen des Umweltschutzes nicht auf unbegrenzte Zeit einfach versickern, hat auf der anderen Seite aber einen zu geringen Metallgehalt, als daß sich die Ausbeutung lohnen würde.