In Mutlangen, Synonym inzwischen für die Bedrohung unserer Republik durch Raketen, auf Friedensdemonstrationen oder in Bürgerinitiativen reichen sie sich die Hände: die Jungen zwischen 16 und 26 und die Alten, die nicht mehr integriert sind in die Gesellschaft, aber noch voller Tatendrang. Von diesen Begegnungen ist in dem Buch von –

Katja Aschke: "Was geh’n mich alte Leute an – Alt sein in unserer Gesellschaft"; Beltz-Verlag, Weinheim; 96 S., Abb., 9,80 DM

nicht die Rede, auch nicht vom Dialog mit der Jugend, von Politikern initiiert, oder so sympathischen Begegnungen wie kürzlich im Fernsehen zwischen Heinrich Böll und einem Sänger der Polit-Rockgruppe BAP aus Köln.

Katja Aschke beschreibt nichts Spektakuläres. Sie beleuchtet das Altsein in unserer Gesellschaft auf vielfältige Weise, so daß selbst Statistiken – eher etwas Abschreckendes in einem Buch, das für die Jungen gedacht ist – durchaus am Platze sind. Mit der klassischen Bevölkerungspyramide etwa, die sich längst zu einem Rechteck gewandelt hat, macht sie anschaulich, warum die Finanzierung der Renten so problematisch geworden ist und unsere Politiker besorgt in die Zukunft blicken läßt: "Um 1980 standen einem 65jährigen noch sieben Jugendliche bis zu 15 Jahren gegenüber – heute ist das Verhältnis zu einem 1:1 zusammengeschmolzen. "

Auch die biologischen Aspekte des Alterns läßt Katja Aschke nicht außer Acht, nicht die Wohnverhältnisse alter Menschen und jene Gruppe, die als "Graue Panther" mehr oder weniger spektakulär in Erscheinung tritt. Sie informiert sachlich und klar, enthält sich jedoch – an angemessener Stelle, wie ich finde – nicht der Kritik. Diese gilt vor allem dem Staat, dem sie zum Beispiel eine unwürdige Behandlung alter Menschen in Heimen vorwirft.

Wichtiger noch als Daten und Fakten ist, daß Katja Aschke Jugendliche ausführlich über ihre Vorstellungen vom Altern und Altsein zu Worte kommen läßt und daß sie – ein Kunstgriff, der besonders zu Verständnis und einer Annäherung zwischen Jung und Alt beitragen könnte – Begegnungen, etwa die banale in einem Bus, Reflexionen und Erwartungen aus der Sicht eines Jungen und aus der Sicht eines alten Menschen erzählt.

Photos von alten Menschen, die das Buch enthält, ergänzen den Text sinnvoll. Sie zeigen: die unwirtliche Großstadt, die Beschaulichkeit des Landes, die Kargheit eines Wohnheimes, aber auch die Fröhlichkeit beim gemeinsamen Tun. Karikaturen machen schmunzeln, und die Zitate über das Altern, die Katja Aschke aus mehreren Jahrhunderten in den Text einfügt, sind immer des Nach-Denkens wert.