Aus voller Kehle sollen Bayerns Schüler in Zukunft singen. Damit den Lehrern die Auswahl nicht zu schwer fällt, hat Kultusminister Hans Maier die Beamten seiner Behörde eine Liste von Gedichten und Liedern zusammenstellen lassen. Auswendig gelernt und gesungen werden soll an allen Schulen, auch an den Gymnasien von der fünften bis zur zehnten Klasse. Mindestpensum: pro Jahr drei Lieder und drei Gedichte.

*

Lehrer, die Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer unterrichten, klagen über eine zu geringe Aufmerksamkeit. Der Deutsche Verein zur Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts meint, der Einstellungsstop für Pädagogen bringe die Schulen um die Innovationskraft der jüngeren Kollegen – und das zu einer Zeit, da man der Informationstechnologie huldige wie nie zuvor. Der Verein hat auch einen Lösungsvorschlag parat: Wenn die Kultusminister die Pflichtstunden zugunsten der Fortbildung senkten, könnten arbeitslose Lehrer die Lücken füllen.

*

Flensburg und Neumünster in Schleswig-Holstein werden Universitätsstädte, durch die Gründung der Nordischen Universität. Die private Hochschule, die sich an dem Modell des nordrhein-westfälischen Witten/Herdecke orientiert, wird diese Woche in einem Festakt staatlich abgesegnet. In Flensburg werden vom nächsten Frühjahr an Agrar- und Wirtschaftswissenschaften, in Neumünster Ingenieurwissenschaften mit dem Schwerpunkt Medizintechnik gelehrt. Für diese Fächer können sich zunächst nur ältere Semester, Aufbaustudenten mit einem Hochschuldiplom, einschreiben. Aufgenommen werden am Anfang jedoch nicht mehr als zwanzig Bewerber pro Fach – "Menschen mit Ideen, die in der Lage sind, sich in die Zeitphänomene praktisch und theoretisch hineinzustellen". Auch bei den geplanten Studiengängen für Anfänger sollen praktische Taten wie eine abgeschlossene Berufsausbildung zählen: "Noten spielen keine Rolle."

*

Es mußte ja so kommen. Nachdem sich die Mediziner mit ihrem "Katastrophenphysikum" effektvoll in Szene gesetzt haben, ziehen Studenten anderer Disziplinen nach. Pharmazeuten, Ingenieure und jetzt die Juristen. In Niedersachsen, das sich gerade fernsehwirksam vom Mainzer Prüfungsinstitut losgesagt hat, sehen sich Rechtsstudenten durch eine "Fallbeilklausel" in der neuen Ausbildungsordnung um Richter- und Anwaltsrobe gebracht. Zehn Punkte müssen sie aus drei Examensklausuren zusammenbekommen, um das Mündliche zu erreichen. Zuviel, fürchtet der unionsnahe Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), als daß der bisherige Stand erfolgreicher Prüfungen gehalten werden könnte. Die Landesregierung soll "diesem Treiben" Einhalt gebieten. Ministerpräsident Ernst Albrecht, Diplom-Volkswirt, der während seines Studiums auch Philosophie, Theologie und Jura belegte, wird seinen jungen Kollegen sicher helfen ...

D. H.