Der Brief an Bundesentwicklungsminister Jürgen Warnke, der seit einer Woche bei den Grünen in Bonn kursiert, ist für die Bundesregierung eher peinlich. Der Absender: Siemens-Vorstand Karlheinz Kaske. Der Inhalt: Der Firmenboß dankt dem Minister in blumigen Worten, daß er sich auf seiner Pakistanreise im November "in so hervorragender Weise für unser Haus und unser Angebot für die digitale Vermittlungstechnik in Pakistan verwendet" habe. Der Export dieser hochmodernen Telephonsysteme, so Kaske, sei ein wesentliches Element für die "Förderung und den Erhalt der Weltmarktstellung" des deutschen Konzerns.

Obwohl selbst ein Pressesprecher im Hause Siemens zugibt, daß ein digitales Telephonsystem für ein Land wie Pakistan bei der heutigen Infrastruktur eigentlich übertrieben und zu teuer ist, scheint sich der Bundesminister um solche Details kaum zu kümmern. Zwar betont er in der Öffentlichkeit immer wieder, daß in der deutschen Entwicklungshilfe Projekte, die der ärmsten Bevölkerung – besonders auf dem Lande – zugute kämen, absolute Priorität hätten und die knappen Gelder rationell und sinvoll eingesetzt werden müßten. Doch für die deutsche Industrie soll mit Hilfe der Entwicklungshilfe wohl auch von Zeit zu Zeit ein klotziger Auftrag herausspringen. So konnten schon die Regierungen auf den Philippinen und in Indonesien mit billigen Bonner Entwicklungskrediten bei Siemens digitale Telephontechnik einkaufen.

Kein’Wunder, daß Kaske in seinem Brief (dessen Authentizität vom Entwicklungsministerium bestätigt wird) voll des Lobes ist: "Ich benutze diese Gelegenheit, um mich bei Ihnen, sehr geehrter Herr Bundesminister, und auch bei Ihren Herren, sehr herzlich zu bedanken für die generelle Aufgeschlossenheit Ihres Ministeriums bei der Finanzierung derartiger Großprojekte, die ja weltweit hart umkämpft sind und meist über die Finanzierung entschieden werden", ließ er den Handelsreisenden Warnke wissen.

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Die deutsche Mineralölindustrie fühlt sich von Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann düpiert. Für viel Geld habe man in den Tankstellen in den letzten Monaten die Zapfsäulen umgerüstet, klagt Branchensprecher Klaus Marquardt, doch der Absatz liefe schleppend. Nur 0,4 Prozent des gesamten Benzinverkaufs entfielen bis jetzt auf den umweltfreundlichen Sprit.

Aral-Chef Marquardt, der gleichzeitig Vorsitzender des Mineralölwirtschaftsverbandes ist, schlägt der Bundesregierung deshalb eine neue Taktik vor: Zusätzlich zur Erhöhung der Mineralölsteuer auf verbleites Benzin vom 1. April dieses Jahres solle noch eine Steuersenkung um zwei Pfennig beim bleifreien, bis jetzt noch teureren Sprit vorgenommen werden. Dann würden bleifreie und verbleite Kraftstoffe endgültig gleichviel kosten – ein Anreiz für umweltfreundliches Autofahren.

Wahlweise liebäugelt der Aral-Chef auch mit dem "Schweizer Modell". Dort ist verbleites Normalbenzin verboten. Wer nicht bleifreien Normalkraftstoff kaufen will, muß notgedrungen das teure Super nehmen.