Die Palästinenser verlieren ihre militärischen Positionen in Beirat – zum zweiten Mal in drei Jahren.

Fünfhundert Tote in zwei Wochen, weit über zweitausend Verwundete – diese Bilanz zog die Beiruter Polizei nach zwei Wochen Kleinkrieg zwischen Schiiten und Palästinensern. In blutigen Kämpfen haben die schiitischen Amal-Milizen des Ministers Nabih Berti das Palästinenserlager Sabra erobert und können jetzt zum Sturm auf die übrigen Palästinenserquartiere im Westen Beiruts ansetzen.

Ein Sieg Berns wäre das Ende der militärischen Präsenz der Palästinenser in Beirut, würde vielleicht auch eine Massenflucht der palästinensischen Zivilbevölkerung auslösen. Die Schiiten hätten dann erreicht, was ihre christlichen Rivalen, die Falange-Miliz, unter israelischer Oberhoheit 1982 vergeblich versuchten. Sabra und Schatila wären dann endgültig Synonyme für die palästinensische Katastrophe.

Die Amal-Kämpfer rückten mit dem Segen des syrischen Präsidenten Assad gegen die Palästinenser vor. Beide wollen keinen neuen PLO-Staat im Libanon; beide wollen nicht, daß PLO-Aktionen schwere israelische Gegenschläge provozieren; beide wollen die Macht der den Palästinensern stets verbundenen libanesisch-sunnitischen Kräfte schwächen.

Es gibt aber auch Interessengegensätze: Unter den PLO-Kämpfern in Beirut befinden sich prosyrische Gruppen, mit denen Assad nicht brechen will; die Mullahs in Teheran, Assads außenpolitische Verbündete, sympathisieren mit den radikalen Palästinensern und nicht mit ihrem antiklerikalen schiitischen Glaubensbruder Berri; die unangefochtene Vorherrschaft der Amal könnte Syriens Rolle als Oberschiedsrichter im Libanon beenden.

Der neue militärische Mißerfolg der PLO-Truppen gibt den Verfechtern einer beweglicheren Diplomatie in der Palästinenser-Organisation neue Argumente: Würde die PLO ausdrücklich Israel anerkennen (mit dem Ziel, im Gegenzug die von den Israelis seit 1967 beisetzten Gebiete wieder in arabische Hand zu bringen), könnte der verfahrene nahöstliche "Friedensprozeß" wieder in Gang kommen.

Tatsächlich ist seit dieser Woche aktenkundig, daß die Palästinenser bereit sind, als Grundlage für Friedensgespräche die einschlägigen UN-Resolutionen 242 und 338 zu akzeptieren. Das sagte freilich kein PLO-Führer, sondern Jordaniens König Hussein. In Washington betonte der Monarch, er spreche diese Erklärung auch für die Palästinenser aus.