Nachdrücklich hat Hans-Dietrich Genscher seine Außenpolitik von der FDP einsegnen lassen. Einstimmig verabschiedete der kleine Parteitag eine Resolution: offen gegen ein Wettrüsten im Weltraum; verhalten gegen das amerikanische SDI-Projekt; und brennend dafür, die Stunde Europas – jetzt – zu nutzen.

Vorausgegangen waren ein Gespräch Genschers mit Mitterrand, das "Erstaunen des Ministers über Kohls Auftritt in Konstanz, das Lob Möllemanns für Brandts Moskau-Reise. Mister Vorsicht geht aus der Deckung.

Genscher, Parteichef unter dem Vorsitzenden Bangemann, will die Koalition nicht zerreden. Nur: Kohls Außenpolitik hinterläßt ein Vakuum. Genschers Pragmatismus spricht für außenpolitische Kontinuität. Die FDP hat eine Tradition zu verlieren – oder Profil zu gewinnen. Wie weit geht Genscher bei alledem? Wichtiger, als seine frischen Zweifel an Kohl zu pflegen, ist es ihm vermutlich, Schaden zu begrenzen und voreilige Festlegungen zu vermeiden. Der Kanzler könnte bald der letzte sein, der auf SDI setzt. Zwar bleibt Genschers Rezept – heran an Paris, vorwärts mit Eureca! – vage, auch will sich der Bundesaußenminister mit Washington nicht überwerfen – er bremst und kommentiert. Aber es bleibt der Eindruck: Der Kanzler regiert, der Vizekanzler führt.

gho.