Mit speziellen Angeboten angeln sich Reiseveranstalter und ausländische Fremdenverkehrsämter immer mehr deutsche Hobbyfischer.

In der Bundesrepublik gibt es rund eine Million Angler. Deren Zahl läßt sich ziemlich genau erfassen, weil bei uns keiner ohne behördliche Prüfung den Fischen nachstellen darf. Allein schon diese Tatsache treibt viele nichtexaminierte Hobbyangler ins Ausland. Aber auch immer mehr geprüfte Sportfischer bevorzugen fremde Gewässer, weil unsere Seen und Flüsse vielfach überlaufen und verschmutzt sind und also nicht immer den Fischreichtum garantieren, den sich passionierte Angler wünschen.

Längst locken ausländische Fremdenverkehrsämter in ihrer Werbung mit guten Angelmöglichkeiten. Bekannte Reiseziele für Süßwasserangler sind Skandinavien, Irland, das rumänische Donaudelta, die Masurischen Seen in Polen sowie Kanada. Hochseeangler bevorzugen die Meeresgrunde vor den Kanaren und den Azoren, vor Kenia und um Mauritius oder etwa vor Kuba und den Cayman Islands.

Etwa 20 000 Sportfischer, so schätzen die Anbieter, haben im vergangenen Jahr eine organisierte Angelreise ins Ausland gebucht. Dazu kommen noch zahlreiche Indiviualisten, die ihren Fischzug selbst organisieren. Eine solche Angelreise in eigener Regie ist allerdings nur den Sportfischern zu empfehlen, die entweder über sehr viel Erfahrung verfügen, oder die dieses Hobby nur als eine Urlaubsbeschäftigung unter vielen sehen und denen es daher auf große Fänge kaum ankommt. Denn beim selbstorganisierten Angeltrip gehen sonst bereits einige Urlaubstage drauf, um die Modalitäten zu erkunden, um herauszufinden, wo es beispielsweise geeignete Köder oder Mietboote gibt. Außerdem hat jedes Gewässer seine bestimmten Eigenarten. Wer die nicht kennt, geht vielfach leer aus. Findige Angelreisende holen sich solche Tips von einheimischen Kollegen, in Angelzubehörgeschäften oder aus den Angelzeitungen.

Ausländische Fremdenverkehrsämter informieren darüber, welche Hoteliers sich in ihrer Region auf angelnde Gäste spezialisiert haben. So wurde beispielsweise zu Beginn des Jahres im Stockholmer Schärengarten von der staatlichen schwedischen Forstverwaltung ein Anglerhotel eröffnet. In Irland sind viele Hotels sogenannten Anglerzentren angeschlossen. Und in Frankreich haben sich in diesem Jahr 47 Hoteliers zur Werbegemeinschaft der St. Pierre Hotels zusammengeschlossen, die Köder bereithalten und ihren Gästen dann abends den Fang in der Küche zubereiten. Pauschale Angelreisen werden auch von zahlreichen Veranstaltern angeboten. Viele der rund 112 bundesrepublikanischen Irland-Anbieter haben Angelurlaub in verschiedensten Variationen im Programm (Hinweise in den "Grünen Seiten" der Irischen Fremdenverkehrszentrale, Untermainanlage 7, 6000 Frankfurt, Tel. 0 69/23 64 92). Rund 20 Kanada-Spezialisten bieten Sportfischern ihre Dienste an (Zusammenstellung beim Kanadischen Verkehrsamt, Postfach, 6000 Frankfurt, Tel. 0 69/28 01 57). Die skandinavische Fährgesellschaft TT-Saga-Line (Mattentwiete 8, 2000 Hamburg 11, Tel. 0 40/3 60 14 82) hat erstmals einen Sonderprospekt mit Angelreisen veröffentlicht. Angeltouren ins polnische Masuren sind beim staatlichen Reiseunternehmen Polorbis (Hohenzollernring 99-101, 5000 Köln, Tel. 02 21/52 00 25) zu buchen, solche ins Donaudelta bei Raduta Angelreisen (Stäblistr. 6, 8000 München 71, Tel. 0 89/78 60 84). Die Spezialveranstalter verzeichnen pro Jahr etwa 7000 Kunden. Marktführer Balzer Angelreisen (Spessartstr. 13, 6420 Lauterbach/Hes. 1, Tel. 0 66 41/88 12), der sein Geld auch noch mit dem Versandhandel mit Angelutensilien verdient, hat sowohl Angeltrips innerhalb Europas für etwa 1000 bis 2000 Mark im Programm als auch eine Angelfernreise nach Kuba, die alles inklusive 3400 Mark kostet. Beispielhaft sind die sehr informativen Prospekte von Andree’s Angelreisen (Ulmenstr. 72, 6272 Niedernhausen, Tel. 0 61 27/80 11). Für die drei Ziele Irland, Spanien und Kenia gibt es jeweils einen eigenen, sehr ausführlichen Katalog. Exklusives für Angler bietet das Reisebüro Wirth (Königstr. 1 a/b, 7000 Stuttgart 1, Tel. 0711/22893-0). Allerdings kosten die Angelreisen nach Costa Rica, Südindien oder Alaska auch zwischen 6988 und 9545 Mark. W. B.