In Schweden beruht das staatliche Alterssicherungssystem im wesentlichen auf zwei Einrichtungen, der Grundpension und der Allgemeinen Zusatzpension. Auf die Grundpension hat jeder Schwede (und selbstverständlich jede Schwedin) bei Erreichen des Pensionsalters oder bei Invalidität einen Anspruch. Dies gilt völlig unabhängig von vorheriger Erwerbstätigkeit. Sofern der Pensionär keine oder nur geringe sonstige Einkünfte hat, wird die Grundpension noch aufgestockt. Für eine alleinstehende Person beläuft sie sich damit zur Zeit auf 31 000 Kronen, das sind etwa 10 800 Mark im Jahr. Insgesamt erhalten gegenwärtig etwa zwei Millionen Schweden eine Grundpension. Darüber hinaus erhalten 610 000 Alterspensionäre noch einen Mietzuschuß.

Finanziert wird die Grundpension aus Steuermitteln. Mit etwa 15 Milliarden Mark bildet sie den größten Einzelposten im Budget des Ministeriums für Gesundheit und Soziales. Bezogen auf den gesamten Staatshaushalt macht sie 14 Prozent aus.

Zusätzlich zu dieser Grundpension hat jeder Erwerbstätige Anspruch auf eine Allgemeine Zusatzpension (ATP, Allmän tillägspension). Damit steigt die Pension auf sechzig Prozent des Arbeitseinkommens. Bei dessen Berechnung wird der Durchschnitt der 15 Jahre mit dem höchsten Verdienst zugrunde gelegt. Eine durch die ATP aufgebesserte Pension beträgt gegenwärtig im Durchschnitt 16 500 Mark im Jahr. Das Maximum liegt bei 37 000 Mark. Etwa drei Viertel aller Pensionäre erhalten eine Zusatzpension.

Finanziert wird die ATP ausschließlich aus Beiträgen von Arbeitgebern und Selbständigen. Neben der Grund- und Zusatzpension existieren noch private Pensionsfonds und gesonderte Pensionsfonds für den öffentlichen Dienst.

Das gegenwärtige Pensionssystem existiert im Kern seit 25 Jahren. Vor seiner Einführung gab es eine außerordentlich engagierte Diskussion. Insbesondere das Projekt der Zusatzpension mit ausschließlicher Finanzierung durch die Arbeitgeberseite brachte damals die regierenden Sozialdemokraten in Bolschewismus-Verdacht. Die Auseinandersetzungen kulminierten in einer Volksabstimmung am 13. Oktober 1957. Der Reformvorschlag siegte mit relativer Mehrheit und trat ab 1960 in Kraft. Danach hat sich der Staub nach und nach gelegt, und heute gehört das Pensionssystem in seinen Grundzügen zum Konsensbestand der schwedischen Parteien. Die Rentenfrage wird auch ansonsten kaum diskutiert, da das System flexibel ist und über ausreichende Reserven verfügt, um die absehbaren Probleme überstehen zu können.

In einem Detail kann es nach der Wahl im September jedoch zu einer Änderung kommen, und zwar aufgrund der Verknüpfung der Pensionsfrage mit den Lohnempfängerfonds. Die Lohnempfängerfonds werden aus betrieblichen Gewinnen finanziert, aber von den Gewerkschaften geleitet, die das dort angesammelte Geld wiederum in Aktien anlegen müssen. Die Lohnempfängerfonds sind wiederum gesetzlich verpflichtet, jährlich einen Betrag in Höhe von drei Prozent ihres Kapitals an den ATP-Fonds zu zahlen. Da die bürgerlichen Oppositionsparteien die Lohnempfängerfonds abschaffen wollen, wird diese besondere Form der Pensionsfinanzierung im Falle ihres Wahlsieges entfallen. Allerdings bereitet den Strategen der Opposition die Frage erhebliches Kopfzerbrechen, was man denn mit dem Kapital der Lohnempfängerfonds machen soll. Wahrscheinlichste Lösung: Übertragung auf den ATP-Fonds.

Die schwedischen Pensionen werden automatisch an die Inflation angepaßt, die niedrigeren Pensionen wurden darüber ninaus kürzlich auch wieder real angehoben. Die Pensionäre gehören damit, angesichts insgesamt seit Jahren fallender Reallöhne, zu den Gruppen, die bislang noch am glimpflichsten durch die Krise gekommen sind.