Seit zehn Jahren soll europaweit die Qualität der Badegewässer einheitlich geprüft werden. Bisher jedoch sind noch keine Ergebnisse veröffentlicht worden.

Am 3. Dezember 1975 verabschiedete der Rat der Europäischen Gemeinschaft Richtlinien über die Qualität der Badegewässer. "Die Mitgliedsstaaten, so schrieben die EG-Parlamentarier damals in ihrem Werk, "übermitteln der Kommission – erstmalig vier Jahre nach Bekanntgabe dieser Richtlinien – einen zusammenfassenden Bericht über die Badegewässer und ihre wesentlichen Merkmale." Gleichzeitig gaben die Politiker den Prüfern noch eine umfangreiche Checkliste an die Hand, womit diese dann wohl losgezogen sind, um die Qualität aller als Badegewässer deklarierten Seen, Flüsse und Meere zu testen. Die Resultate dieser Arbeit wären gewiß für alle Wassersportbegeisterten sehr aufschlußreich, wenn sie denn nach den vorgegebenen vier Jahren 1979 auch tatsächlich erstmals veröffentlicht worden wären.

Auf der Suche nach solchen Testergebnissen stößt man immerhin auf eine neuerliche Zusammenfassung aller die Wasserqualität beurteilenden EG-Richtlinien, veröffentlicht im April 1984 vom Informationsbüro der EG-Kommission in Bonn. Die praktische Umsetzung solcher Richtlinien sei allerdings Sache der einzelnen Mitgliedsstaaten und in der Bundesrepublik wohl im Bundesministerium des Innern angesiedelt, wird ergänzend mitgeteilt. Dort erklärt man sich allerdings erst einmal für nicht zuständig und verweist auf die Kollegen vom Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit. Mitarbeiter des dortigen Hygiene- und Seuchenreferates überprüfen tatsächlich Badegewässer, allerdings vorrangig in öffentlichen Schwimmbädern. Die Umsetzung der EG-Richtlinien sei dagegen Angelegenheit der einzelnen Länderregierungen, versichern die Schwimmbadtester.

Über die einzelnen Länderregierungen führen die Spuren dann aber doch wieder zurück ins Bundesministerium des Innern, wo die einzelnen Ergebnisse, so ein Mitarbeiter des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, bereits 1980 zentral gesammelt und nach Brüssel gemeldet worden seien.

Im Hause Zimmermann will man von einer solchen Sammlung allerdings immer noch nichts wissen. Wie es um Europas und die bundesdeutsche Badewasserqualität stehe, sei eventuell beim Statistischen Bundesamt und garantiert bei der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) zu erfahren. Die LAWA weiß es laut Auskunft ihres Geschäftsführers aber auch nicht. Statt dessen erfolgt wiederum der Hinweis auf das Bundesministerium des Innern.

Beim dritten Versuch schließlich, nach Umwegen über Gespräche mit Ministerialdirigenten und -räten, gibt dann endlich eine Mitarbeiterin Auskunft. Ja, solche Ergebnisse seien vom Jahr 1980 und vielleicht auch schon vom Jahr 1981 vorhanden, also total überholt und deshalb nie veröffentlicht worden. Obwohl regelmäßig jedes Jahr die Testergebnisse in den einzelnen Mitgliedsstaaten abgefragt würden, dauere es mindestens vier Jahre, bis die Gesamtauswertung vorliegt. "Eigentlich arbeiten wir also für den Papierkorb", gesteht sich die Dame ein.

Dabei wäre es doch sicherlich für die gesamteuropäischen Urlauber interessant gewesen zu erfahren, wie viele Salmonellen, Darmviren, Mineralöle, Teerrückstände oder Pestizide beispielsweise in den von ihnen bevorzugten Badegewässern herumschwimmen.