Seit die Menschen freiwillig auf Berge kraxeln, gehört Österreich zu den prädestinierten Wandererzielen. Schließlich ist es eine Alpenrepublik.

Es ist schon ein paar Jahre her, daß die Fremdenverkehrsämter mit Leib und Seele die Vermarktung der Wanderbarkeit ihrer Reviere in Angriff genommen haben. Weit haben sie es mittlerweile gebracht, die findigen Werber. Die Konkurrenz ist aus dem Feld geschlagen, Österreich der Renner unter den Wanderländern.

Winters und sommers, bei Tag und bei Nacht können die Gäste durchs Gelände ziehen, Höhlen, Schluchten und Wälder erkunden. Es gibt Wandernadeln und -diplome, Klettergärten und -steige sowie kernige Bergführer zuhauf.

Freilich hält Österreich auch einen Spitzenplatz in den Absturzstatistiken. Auf daß nicht noch mehr Urlauber den Schritt ins Leere tun, hat der Fremdenverkehrsverband von Gerlos jüngst beschlossen, seine Gäste in die Lehre zu schicken. Die Tiroler gründeten die "1. Österreichische Wanderschule".

Sie verspricht eine echte Bereicherung der ohnehin schon knallbunten Wanderpalette zu werden. Zwar ist die Grundausbildung simpel, sie umfaßt drei geführte Wanderungen, Unterricht über Pflanzen und Tiere sowie über richtiges Verhalten in den Bergen. Aber die Gerloser verheißen mehr, als das schlichte Bergsteigergemüt zu träumen wagt: "Unerfahrene werden in das Geheimnis der Berge eingeweiht."

Ein verlockendes Angebot." Ob die mystische Initiation etwa Klarheit darüber schafft, was den bereits zweiundneunzigjährigen Luis Trenker immer noch nicht ruhen läßt? Ob die Schule gar verstehen lehrt, was der Berg ruft? Wer weiß. Vielleicht macht die Tiroler Gebirgsschule aus dem Wanderland auch noch ein Wunderland. iso