Fußwerk als Kunstwerk: Florenz ehrt Salvatore Ferragamo, den "Schuhmacher der Träume"

Von Josette Cagli

Königinnen und Filmdiven zeigten ihm ihre Füße her; die schönsten, berühmtesten, reichsten Frauen der Welt kamen nach Florenz, sich bei ihm Schuhe anmessen zu lassen. "Wer einmal bei mir war, der bleibt mir treu", durfte Salvatore Ferragamo sich rühmen – "Schuhmacher der Träume" nannte ihn seine internationale Klientel.

Wer an Florenz denkt, denkt an Michelangelo, den Dom, die Ponte Vecchio, den Palazzo Pitti, die Ufficien, an Oleander, Zypressen, Chianti und – an Schuhgeschäfte. Jedes Jahr im Frühling drücken sich Trauben von Touristen aller Nationen an den Auslagen der "Calzature" die Nasen platt. Mit den Florentinern ist ganz Italien stolz darauf: die 8300 einheimischen Schuhhersteller fertigen inzwischen über 450 Millionen Paar pro Jahr.

Salvatore Ferragamo hat das größte Verdienst daran. Er hat den Ruhm der italienischen Schuh-Industrie begründet; er hat den Schuh aus seinem anonymen Accessoire-Dasein befreit und ihn zum "Star" gemacht. In diesen Tagen, 25 Jahre nach Ferragamos Tod, ehrt Florenz das Schuh-Werk des Meisters mit einer Ausstellung, die die Kulturabteilung der Stadt und die noble "Galleria del Costume" organisiert haben.

Bis zum 30. Juni – danach in Paris, London, New York und Peking – sind im Palazzo Strozzi zweihundert der zweitausend Prachtstücke aus der Privatsammlung der Familie Ferragamo zu bewundern. Es ist das erste Mal, daß Schuhe aus diesem Jahrhundert wie Kunstwerke in Glasvitrinen ausgestellt werden. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Leder-Artikel von nun an in Italien als Kulturgut gelten. Was ihrer weiteren Vermarktung nicht hinderlich sein soll.

Gut gesichert glänzt im Scheinwerferlicht des Palazzo Strozzi, was in einem normalen Schuhgeschäft nie mehr zu kaufen sein wird, selbst in Florenz nicht. Zum Beispiel eine Sandalette aus purem Gold, 18karätig. Nur die feine Vordersohle ist aus Leder. Der Absatz, 9,5 Zentimeter hoch, der Fußbogen und die zu zwei dünnen Zöpfchen geflochtenen Riemen sind aus ziseliertem Gold. Der Märchenschuh wiegt 120 Gramm. In den fünfziger Jahren kostete er tausend Dollar.