Die Freie Berliner Kunstausstellung hat sich im Kulurgeschehen Berlins und darüber hinaus ihren festen Platz erobert. Ein Stück Zeitgeist verkörpert sie längst, wandelbar, voller Überraschungen, geschätzt oder kritisiert, immer lebendig. Auch die 13. Freie Berliner Kunstausstellung wird Diskussionen entfachen, Fragen aufwerfen und unbeantwortet lassen, Vergängliches und Bleibendes sich aneinander reiben lassen. Berlin kann und soll auf eine Ausstellung dieser Art nicht verzichten. Ich wünsche ihr die gleiche lebhafte Anteilnahme, die ein aufnahmebereites Publikum mit Zuspruch und Widerspruch auch den Vorgängern widmete.

„Geleitwort“ des Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker zur 13. Freien Berliner Kunstausstellung, 1983

Die Freie Berliner Kunstausstellung hat sich im Kulturleben Berlins und weit darüber hinaus ihren festen Platz erobert. Ein Stück Zeitgeist verkörpert sie längst – wandelbar, voller Überraschungen, geschätzt oder kritisiert, aber immer lebendig. Auch die 15. Berliner Kunstausstellung wird Diskussionen entfachen, Fragen aufwerfen, Vergängliches und Bleibendes hervorbringen. Berlin war immer ein Ort der Alternativ-Entwürfe, des Umbruchs und des Aufbruchs – schon allein deshalb können und sollen wir nicht auf eine Ausstellung dieser Art verzichten. Ich freue mich auf die 15. Freie Berliner Kunstausstellung und wünsche ihr denselben Erfolg wie den vorangegangenen.

„Grußwort“ des Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen zur 15. Freien Berliner Kunstausstellung, 1985

Gefahr fürs „Weiße Dorf“

Dem Image vom Musterland der Architektur- und Stadtplanung drohen die Rotterdamer Kommission für Stadterneuerung und eine Bewohner-Gruppe mit ihrem Wunsch nach Neubau-Komfort einen gewaltigen Schlag zu versetzen. Sie begehren von Bürgermeister Peper den Abriß eines der bedeutendsten Bauwerke dieses Jahrhunderts. Peper wird dabei nicht über ein lokales Ereignis entscheiden, sondern „über ein Werk, das der ganzen Welt gehört“ (Eduardo Vargas). Für die seinerzeit ärmste Bevölkerung entwarf 1922 einer der bedeutendsten Architekten der Epoche, Jacobus Johannes Pieter Oud (1890-1963), in einem Atemzug mit Le Corbusier, Gropius, Mies van der Rohe zu nennen, das „Weiße Dorf“ (Oud Mathenesse). Auf einer dreieckigen Polderwiese entstand die Siedlung: Mit den geringsten Mitteln und dem größten Raffinement in den Details ordnete Oud die 343 Wohnungen (in der Modernisierung 1978 in rund 220 verwandelt) zu eingeschossigen Straßen und machte sie durch leichte Vorsprünge und Abwinkelungen an den Enden zur erstaunlichsten Kette von Plätzen: zu intimen, menschlich dimensionierten Räumen, wie man sie in dieser Qualität kaum anderswo finden kann. Selten in der Geschichte haben sich Nützlichkeit und Ästhetik in so außerordentlicher Weise miteinander verbunden. Unfaßbar wäre es, wenn ein Land, auf desen stadtplanerisch-architektonische Kultur Europa blickt, ein solches Wunderwerk antasten ließe. Als Lehrstück der „Kunst sozialer Architektur“ müßte dieses „steinerne Streichquartett“ (Volkskrant), vor allem nach einer Fülle von Katastrophen, der Stolz einer Stadt mit zugleich sozialen und kulturellen Ansprüchen sein.

David Rokeah