Schriftsteller protestieren

In einem Brief an den ungarischen Außenminister Várkonyi protestierten unter anderem Heinrich Böll, Günter Grass und Hans Magnus Enzensberger gegen ein Einreiseverbot, das die ungarischen Behörden über Hans-Henning Paetzke, einen der namhaftesten deutschen Übersetzer ungarischer Autoren (u. a. Georg Lukács, György Konrad, György Petri), verhängt haben. Paetzke war Ende April in Ungarn zur "persona non grata" erklärt worden. Bereits am 24. März hatten ihn Beamte des Innenministeriums bei einer Ausreise aus Ungarn viereinhalb Stunden lang festgehalten, Literatur, die man in seinem Auto fand, wurde beschlagnahmt. In Budapest, hat man es Hans-Henning Paetzke offenbar verübelt, daß er in mehreren Hörfunksendungen und Zeitungsartikeln sowie in einem Beitrag für das ZDF-Kulturmagazin "Aspekte" auch ungarische Oppositionelle zu Wort kommen ließ.

Rassismus unerwünscht

An der Universität Osnabrück lehrt ein Soziologe, der "das deutsche Volk in der Todesspirale" sieht: Durch "Umvolkung" – weniger Deutsche werden geboren, immer mehr Ausländer strömen nach Deutschland – sei die deutsche "biologische Abstammungs- und Fortpflanzungsgemeinschaft" und damit gleich auch die Kultur bedroht, schreibt der Hochschullehrer Robert Hepp und ruft zum Kampf gegen "staatlich verordnete Risikoscheu" und "egoistischen Kleinkapitalismus" auf. 78 Osnabrücker Professoren-Kollegen wandten sich darum jetzt an die Öffentlichkeit. Sie erinnern ausdrücklich an die Mitverantwortung der deutschen Hochschulen für Hitlers Machtübernahme und verurteilen die rassistischen Ergüsse Hepps in aller Schärfe: "Wissenschaftlich gesehen hatten wir Hepps Äußerungen für pseudoakademisch verbrämte Ansammlungen hetzerischer Klischees. Unter politischem Aspekt vertreten wir die Auffassung, daß Hepp jener Richtung in die Hände arbeitet, die durch Forcierung der sogenannten ‚Überfremdungsdiskussion‘ eine Massenbasis für den Neofaschismus zu finden hofft."

Todeslotterie

Zu einem verzweifelten Protest gegen die unmenschlichen Zustände in ihren Haftanstalten haben sich die Gefängnisinsassen der zentralbrasilianischen Stadt Belo Horizonte entschlossen: Um auf die katastrophale Überfüllung der Gefängnisse aufmerksam zu machen – bis zu 20 Häftlinge sind in Zellen zusammengepfercht, die für vier Personen Raum bieten werfen sie untereinander das Los. Wen es trifft, der wird von seinen Mitgefangenen umgebracht. Das fünfte Opfer des grausamen Todespakts innerhalb von zwei Monaten war am 22. Mai der 19 Jahre alte Roberto Carlos de Oliveira. Sechs Gefangene strangulierten und prügelten ihn zu Tode. Die Regierung in Brasilia, die auf frühere Hungerstreiks und Revolten in den Gefängnissen nicht reagiert hatte, wurde durch die Todeslotterie aufgeschreckt. Präsident José Sarney stellte 60 Millionen Dollar bereit, um die Haftbedingungen im Land zu verbessern.

Auszeichnung für Sparks

Die Nieman Foundation der Harvard-Universität verleiht den diesjährigen Louis-M.-Lyons-Preis für gewissenhaften und integren Journalismus an Allister Sparks, der für die ZEIT und für englischsprachige Zeitungen aus Südafrika berichtet. Der Johannesburger Journalist trotzt seit Jahren Einschüchterungsversuchen der Regierung in Pretoria, der die kritischen und faktenreichen Berichte dieses überzeugten Gegners der Apartheid nicht ins Konzept passen.