Noch in diesem Jahr muß sich die Kinobranche auf eine neue Kino-Kette einstellen. Die amerikanische Filmfirma Cannon, mit den aus Israel stammenden Vettern Menahem Golan und Yoram Globus an der Spitze möchte sie aufbauen. Schon zu Jahresbeginn stieg Cannon beim Münchener Verleiher "Scotia International" ein, der sich jetzt für den amerikanischen Konzern bereits 14 Kinos gesichert haben soll. Doch die Cannon-Gruppe (Golan: "Wir kommen aggressiv; wir haben das Geld") will am liebsten das ganze 400-Kino-Imperium von Heinz Riech (UFA, Olympic) erwerben: Verhandlungen, so hieß es in München, seien bereits im Gange.

Auch um den legendären Berliner Zoo-Palast wird gepokert. Eigentümer Max Knapp hat zwar vor kurzem dementiert, doch will er, nach erneuten Verhandlungen, noch einmal nachdenken: "Mir gefällt das Konzept der Leute", sagte er der ZEIT. Golan und Globus wollen weg von den Schachtelkinos, zurück zu großen Lichtspielsälen ganz nach amerikanischem Muster, mit sauberen Toiletten und Popcorn am Kiosk. Erst seit sechs Jahren sind sie im internationalen Geschäft. Mit der Erfolgsserie "Eis am Stiel" finanzierten sie den Sprung von Israel nach Hollywood. Seit 1982 kauften sie sich nacheinander in den Niederlanden, in England und in Italien ein. Heute gelten sie bereits als die größte US-Firma: Sie produzieren jährlich mehr Filme als die sogenannten "Majors" Paramount, United Artists oder MGM – Genre-Filme wie "Der Mann ohne Gnade" und "Ein Mann wie Dynamit" mit Charles Bronson oder das historische Schwertgemetzel "Die sieben Gladiatoren". Seit kurzem sorgen sie mit Regisseuren wie Cassavetes, Wertmüller (und demnächst vielleicht: Godard) fürs Image. Überall bauten sie einen Verbund aus Produktion, Verleih und Lichtspielhäusern auf: "Wir wollen das Schicksal unserer Filme kontrollieren, bis sie zum Publikum kommen." In England erzielten Sie, in aufwendig renovierten Häusern, erstmals nach Jahren Gewinne.

In Deutschland haben die kleineren Kinobesitzer allen Grund zur Beunruhigung. Bei anhaltender Kinoflaute hätten sie dem Medienkonzern an Investitionen kaum etwas entgegenzusetzen. Größte Befürchtungen haben auch die kleineren deutschen Verleiher. Wenn Cannon die wichtigsten Häuser in den Großstädten besetzt, wird die Firma wohl vorrangig ihre eigenen US-Produktionen spielen. Das könnte dann das endgültige Aus für den deutschen Film sein, dessen Marktanteil ohnehin schon von 18 Prozent (1984) auf unter drei Prozent (1985) gefallen ist.

Ulrich Müller-Schöll