Der Augsburger "Aufbruch ins Industriezeitalter" hat zweifellos den Vorteil der Überschaubarkeit, und damit ist nicht nur die Dimension der Ausstellung, sondern auch die Reichweite ihres Gegenstands gemeint, in Nürnberg stand man vor dem Problem, weitaus komplexere Entwicklungen vorzuführen. Bei einer weniger puristischen Vorgehensweise, hinter der wohl eine fragwürdige Auffassung von Objektivität steht, hätte der Lehrpfad durchs Industriezeitalter lebendiger gelingen können – was etwa spräche dagegen, in der Maschinenhalle, in der Turbinen und andere Ungetüme aus der Zeit um 1900 versammelt sind, Videos von der Hannover-Messe heute zu zeigen?

Brecht hat einmal bemerkt, die einfache Wiedergabe der Realität sage kaum mehr etwas aus über die Realität: "Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht. Beide Ausstellungen bestätigen Brechts Einsicht, und beide versuchen ihr auszuweichen. Jede auf ihre Art. (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum bis zum 25. August, Katalog 34,–Mark; Augsburg, Kunsthalle bis zum 28. Juli, kleiner Katalog einzeln 12,- Mark, zusammen mit dreibändigem Handbuch 48,– Mark)

Helmut Schneider