Holger Börner hat den Hessen-Grünen ein Angebot gemacht, und die haben es angenommen. Der ersten rot-grünen Koalition steht im Prinzip nichts mehr im Wege. Sollte man jedenfalls meinen. Denn plötzlich tut der Ministerpräsident so, als hätten die Grünen sein Angebot abgelehnt. Bleibt die Frage: Was will Börner?

Er will, daß die Grünen seinen Wünschen nachkommen. Dazu gehört, daß der überfällige Haushalt 1985 in Kürze verabschiedet wird. Im Herbst, darauf dringt Börner, soll ein Doppelhaushalt 86/87 durch den hessischen Landtag bugsiert werden. Das ist nicht der parlamentarische Brauch, aber als neuerlicher Testfall für die grüne Regierungsfähigkeit gedacht. Kurzum, Börner will die Grünen dazu zwingen, sich wie ein Koalitionspartner zu verhalten, ohne daß sie es schon sind. Anfang 1986 stünde die Bestallung einer gemeinsamen Regierung an.

Börners Zeitspiel hat viele Gründe. Die SPD fühlt sich als Minderheitsregierung nicht unwohl. Wo es nötig ist, sollen die Grünen als Mehrheitsbeschaffer herhalten. Soweit gibt es unter Sozialdemokraten keine Meinungsverschiedenheiten. Sie beginnen erst, sobald der Ernstfall droht, die Koalition: im Kabinett, in der Partei, mit den Gewerkschaften, mit den Industriellen an Rhein und Main. Davor will, davor muß sich Holger Börner hüten. Deshalb lautet die hessische Dialektik: Je nachgiebiger die Grünen sind, desto unwilliger werden die Sozialdemokraten. Je mehr Bedingungen die Grünen erfüllen, um so überflüssiger ist am Ende die Koalition. Lang, ganz lang soll den Grünen der Weg zum Ziel werden: zu lang. G.S.