Die Partei ließ es dann auf eine Kraftprobe ankommen und verlangte ein Referendum in der Erwartung, daß das Volk nur auf die eigene Tasche schauen würde. Aber die Italiener erwiesen sich als wirtschaftlich besser informiert. In Norditalien votierten zwei Drittel gegen den kommunistischen Antrag, und das genügte, um den Süden zu überstimmen. Da die KPI vor wenigen Wochen bereits bei den Kommunal- und Regionalwahlen eine Schlappe erlitten hat, kommt der Ausrutscher auf der Lohnrolltreppe einer zweiten schweren Niederlage gleich.

Die Regierung des Ministerpräsidenten Bettino Craxi, die für den Fall eines Sieges der Opposition den sofortigen Rücktritt angekündigt hatte, ist nun wieder wirtschaftspolitisch handlungsfähig. Es wird auch höchste Zeit zum Handeln, denn die Inflation ist bei dem innenpolitischen Gerangel wieder nach oben in Bewegung geraten. Sie liegt derzeit zwischen acht und neun Prozent. Ob Rom das erklärte Ziel von sieben Prozent dieses Jahr noch erreicht, ist nach alledem sehr fraglich.

Die Kündigung der Lohnskala durch die Arbeitgeber zwingt nunmehr die untereinander zerstrittenen Gewerkschaften, sich zu einem Kompromiß zusammenzuraufen. Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist haben die Sozialpartner sechs Monate Zeit. Kommt keine Einigung zustande, dann tritt das alte, differenzierte System wieder in Kraft, das vor 1957 galt. Friedhelm Gröteke