Auf der einen Seite herrscht die Angst – die Angst vor "intelligenten Elektronenhirnen", vor einer Machtübernahme der Computer. Völlig unbegründet wiegeln auf der anderen Seite Wissenschaftler und technikgläubige Politiker ab: Computer können niemals denken, sondern nur Befehle ausführen.

Die Zweifel an der schicksalhaften Idiotie der elektronischen Rechen-Knechte erhalten freilich Nahrung durch die enormen Leistungssteigerungen etwa bei Datenspeichern. So erwarten Experten eine vieltausendfach erhöhte Kapazität bei sogenannten "optischen Speichern".

Deren Leistungsfähigkeit beschrieb der Bayreuther Professor Dietrich Haarer unlängst so: Das Hirn des Homo sapiens ist der größte uns bekannte Informationsspeicher. Es kann eine Billiarde – also eine Million Milliarden – Bits speichern (die Informationseinheit binary digit ist in der Sprache der elektronischen Datenverarbeitung entweder die Ziffer "Null" oder "Eins"). Eine Billiarde Bits entsprechen dem verschlüsselbaren Inhalt von 100 Millionen Büchern. Wollten EDV-Spezialisten diese Kapazität mit vorhandener Technik verwirklichen, müßten sie 200 000 der größten gängigen Computerspeicher aneinanderreihen. Eine solche dicht an dicht gepackte Speicher-Schlange wäre 250 Kilometer lang; ihr Stromverbrauch überträfe den von Los Angeles.

Tausendfach höhere Leistung

Die Computer der nächsten und übernächsten Generation, an denen seit einem Jahrzehnt gearbeitet wird, dürften eine bis zu zehntausendfach höhere Speicherkapazität als die größten gängigen Rechner haben. Damit würde die 250-Kilometer-Schlange der Speicher auf nur noch 25 Meter zusammenschrumpfen und somit zumindest dem Volumen nach schon recht nahe am menschlichen Maß liegen.

Dietrich Haarer ist kein Science-fiction-Autor, sondern Ordinarius am Lehrstuhl Experimentalphysik IV der noch jungen Bayreuther Universität. Er war früher Mitarbeiter des amerikanischen Computerkonzerns IBM, dem er noch heute in Forschungsfragen verbunden ist. Den Vergleich zwischen der Speicherfähigkeit des Menschenhirns und künftigen Superspeichern zog er anläßlich der Verleihung des "Emil-Warburg-Preises" an seinen Mitarbeiter Lothar Kador.

Emil Warburg, ein Pionier der Physik, starb 1931 in Bayreuth. Ihm verdankt die Wissenschaft grundlegende Kenntnisse zum Aufbau der Materie, des Magnetismus und des Lichtes. Das Licht, mit dem der Emil-Warburg-Preisträger Kador heute arbeitet, war dem Physik-Pionier freilich noch nicht bekannt: Laserlicht.