Die Idee zum Einsatz des Laserlichts beim Bau leistungsfähigerer Datenspeicher kommt nicht etwa aus dem kalifornischen "Silicon Valley", sondern aus der Sowjetunion. Dort hatten 1974 zwei Forscherteams – unabhängig voneinander – eine später Laser Hole Burning genannte Methode entdeckt (deutsch: photo-chemisches Lochbrennen).

Seitdem versuchen Amerikaner, Japaner und Europäer, die Entdeckung für den Bau hochleistungsfähiger Datenspeicher einzusetzen. Die neue Technik braucht, ähnlich dem Menschenhirn, eine schützende Flüssigkeit, vorzugsweise flüssiges Helium (Temperatur: minus 269 Grad Celsius). Denn die Hyper-Computer der Zukunft sollen ihre Informationen, anders als heutige Rechner, nicht mehr mit Hilfe makroskopischer Bauteile speichern, sondern – wie das biologische Hirn auch – auf molekularer Basis. Das aber ist nur möglich, wenn die Moleküle im Speichermedium nicht umherschwirren, sondern in Reih und Glied verharren: einen Zustand, den sie nahe am absoluten Nullpunkt von minus 273,16 Grad Celsius erreichen.

Nötig sind auch geeignete, lichtempfindliche Speichermaterialien, die mit dem Laserstrahl beschrieben und gelesen werden können – wie etwa Plexiglas oder auch Polyäthylen. Schon heute können in einen einzigen Quadratzentimeter dieser Materialien per Laser bis zu 100 Millionen quasi-molekulare Löcher hineingebrannt werden.

Laser- und Tiefkühltechnik

Um noch größere Speicherdichten zu erzielen, versuchen die Forscher außerdem, eine alltägliche Eigenschaft des Lichtes für ihre Zwecke zu nutzen: die Farbe (oder, anders gesagt, die Frequenz des jeweiligen Laserlichtstrahls). Lothar Kador versah deshalb seine Glasspeicherproben mit unregelmäßig angeordneten Farbstoff-Molekülen, "von denen jedes", wie er sagt, "seine Umgebung anders sieht". Und jedes dieser Farbstoff-Moleküle wird damit auch vom Laser-Schreib- und -Lese-System anders "gesehen" – eine Eigenschaft, mit der sich die Speicherdichte abermals erhöhen läßt.

Noch steckt das "photochemische Lochbrennen" weltweit tief in der Grundlagenforschung. Experten rechnen mit weiteren zehn Jahren Entwicklungsarbeit bis hin zur Serienreife der "optischen EDV-Speicher". Aber entfernte, vergleichsweise primitive Vorläufer wie die optische Videoplatte und die digitale optische Schallplatte sind heute schon Realität. Und Laser- sowie Tiefkühl-(Supraleitungs-)Technik befinden sich in einem stürmischen Aufschwung.

Welche Konsequenz wird dieser erneute Entwicklungsschub der Computertechnik bis etwa zum Jahr 2000 haben? Welche Folgen hat die Vermählung einer tausendfach höheren Speicherkapazität mit der schon abzusehenden Vertausendfachung der Rechengeschwindigkeit durch noch leistungsfähigere Mikrochips?