Bemerkenswert

"Im Schatten der Zukunft" von Wolfgang Bergmann. "Was haben wir Deutschen mit dem Israel-Palästina-Konflikt zu hin?" fragt dieser dokumentarische Film. Anath, eine in Berlin lebende Israelin, Tochter deutsch-jüdischer Flüchtlinge, und Fuad, ein in München lebender Palästinenser, dessen Familie seit fast 40 Jahren im Flüchtlingslager Kalandia auf dem ehemals jordanischen Westbank-Gebiet wohnt, sind die Kristallisationspunkte einer historischen Situation, deren Grundlagen Bergmann in der Vertreibung der Juden aus Deutschland sieht. Am Anfang des Films stellt der Regisseur seine Protagonisten und auch sich selbst und seine Fragen vor. Diese Subjektivität macht den Film bemerkenswert; aus der Sicht der einzelnen erschließt sich dem Zuschauer der verworrene Konflikt, dem sich der Filmautor und seine beiden Zeugen als Nachgeborene nähern. Störend sind nur ein paar polemische Ausrutscher, die ärgerlich stimmen bei einem Film, der sich sonst ernsthaft und behutsam um Belege für die These bemüht, der Haß der Israelis auf ihre deutschen Mörder entlade sich nun als fehlgeleitete Rache auf die Palästinenser. Verschiedene Gespräche vor der Kamera sollen dies erläutern: Mit ihrem Vater kommt Anath zu keinem Konsens, wenn es um die Vertreibung der Palästinenser geht; ihre Schwester leugnet schlicht, daß vor ihnen jemand das Land bestellt hat, auf dem sie jetzt siedeln. Der Film zeigt den ehemaligen Besitzer, einen arabischen Bauern, mit seiner Enteignungsurkunde. Spannend mitanzusehen ist auch der Besuch Anaths bei Fuads Familie, ihre herzliche Aufnahme im Flüchtlingslager. Der neue Haß, der dort durch die Politik der Israelis entsteht, wird nicht gezeigt, dafür aber Arafat und Begin, die sich gegenseitig bezichtigen, schlimmer als Hitler zu sein. In solchen Zirkelschlüssen verstrickt sich der Film leider ein wenig. Zum Glück wartet er jedoch nicht mit Rezepten auf, sondern regt an zu Diskussionen. Bodo Zoege

Trübselig

"Cal" von Pat O’Connor. Gegen diesen Film kann man nichts sagen. Das Thema ist ernst: Bürgerkrieg in Nordirland. Die Geschichte ist tragisch: katholischer Metzgersohn, jung, liebt protestantische Gutsbesitzertochter, nicht mehr ganz jung. Das kann nicht gut gehen und geht auch nicht. Die Geschichte ist ein politisches Exempel: In diesem Krieg der Klassen und Religionen, in dieser permanenten Orgie aus Haß und Gewalt ist die Liebe keine Himmelsmacht. Gegen diesen Film kann man nichts sagen. Dafür aber auch nichts. Er setzt auf den Themenbonus und zieht eine Niete. Dieser Regen, diese Trübsal, dieser schlotternde Harm, dieses wacker-romantische "Dennoch" der Liebenden, diese Schafsmoral à la "Der Mensch ist gut, wenn nur die Leute nicht so böse wären" – mag’s aushalten, wer will, ich nicht. Ulrich Greiner

Sehenswerte Filme

"Jeanne Dielman" von Chantal Akerman. "Die letzte Jagd" von Alan Bridges. "Love Streams" von John Cassavetes. "Reise nach Indien" von David Lean. "Hotel New Hampshire" von Tony Richardson. "Kolp" von Roland Suso Richter. "Vollmondnächte" von Eric Rohmer. "Der einzige Zeuge" von Peter Weir.