Bonn wägt ab zwischen Reagans Weltraumforschung und Mitterrands Eureka-Vorhaben

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Juni

Was ist Eureka? Heute wird das griffige Wort fast schon so selbstverständlich benutzt wie "SDI" – das Kürzel für jene Strategische Verteidigungsinitiative im Weltraum, die Ronald Reagan 1983 in seiner berühmten Star-Wars-Rede verkündet hat. SDI, hat Forschungsminister Heinz Riesenhuber geurteilt, ist ein Phantom. Und Eureka?

Ohne einen Blick auf die Vorgeschichte läßt sich wohl kaum erklären, was diese Pariser Wortschöpfung wirklich bedeutet. Die "lieben Kollegen" in Europa, so formulierte es Caspar Weinberger noch vor einigen Wochen, möchten innerhalb von 60 Tagen klären, ob Interesse bestehe, sich an dem amerikanischen Forschungsprojekt zur Weltraumabwehr zu beteiligen. Die Frist ist inzwischen verstrichen, eine "Beteiligung" Bonns weniger in Sicht denn je.

Für Bonn – aber nicht nur für Bonn – war das SDI-Projekt wegen seiner gigantischen Dimension von 26 Milliarden Dollar, die während der nächsten fünf Jahre in die Forschung investiert werden sollten, ein Schock. Eureka ist "unser SDI", reagierte daraufhin der französische Verteidigungsminister Hernu. Spontan fanden Politiker in der Bonner Koalition, erst recht aber in der Opposition, Gefallen an der französischen Idee. Eine europäische Antwort auf Amerika – Heureka!

Inzwischen demonstrierte der amerikanische Verteidigungsminister Desinteresse an einer Beteiligung der Europäer. Es gehe um Kooperation mit Firmen und Forschern, läßt er wissen, und die laufe doch an. Wer sich mehr erhofft oder erwartet hatte, muß sich düpiert fühlen; und das sind nicht wenige in Bonn.