DIE ZEIT

Dialektik

Holger Börner hat den Hessen-Grünen ein Angebot gemacht, und die haben es angenommen. Der ersten rot-grünen Koalition steht im Prinzip nichts mehr im Wege.

Reagans Geste

Ronald Reagan in ungetrübter Harmonie mit den europäischen Verbündeten – wann hat es das zuletzt gegeben? Dazu noch bei einem Beschluß von jener Größenordnung, wie ihn der Präsident Anfang dieser Woche verkündete: Amerika hält an dem zum Jahresende auslaufenden Salt-II-Vertrag über die Obergrenzen für Kernwaffen fest.

Auf der Stelle

Die feierliche Unterzeichnung der EG-Aufnahmeverträge Spaniens und Portugals an diesem Mittwoch ist für die Westeuropäer ein Anlaß zur Genugtuung.

Noch kann Kohl sich wieder fangen

Beim ersten Mal stürzten die Demonteure das Standbild Konrad Adenauer, beim zweiten Mal drängten sie Ludwig Erhard aus dem Amt – und es waren stets die eigenen Parteifreunde, die das Abräumgeschäft besorgten.

Verständnis

Ob die Insassen einer Linienmaschine eine Stunde in der stickigen Kabine auf dem Rollfeld ausharren müssen; ob die Passagiere eines Intercity zwanzig Minuten auf dem zugigen Bahnsteig stehen dürfen; ob den "verehrten Hausgästen" eines renommierten Hotels der Service nicht geboten wird, für den sie – auch – bezahlen (sondern ohrenbetäubender Umbaulärm ab sieben Uhr morgens): "Wir danken für Ihr Verständnis" schallt es durchs Bordmikro, aus Lautsprechern, von Klebe-Sprüchen.

Worte der Woche

"In unserer menschlichen Verbundenheit und unserer geopolitischen Mittellage wollen wir uns dafür einsetzen, unseren näheren und ferneren Nachbarn im Osten trotz unterschiedlicher innerer Systeme näherzukommen und friedlich mit ihnen zusammenzuleben.

Zeitspiegel

Nach Einbruch der Dunkelheit strahlt der Radiosender Stimme freies Afghanistan seine antisowjetischen Sendungen im Kampfgebiet der afghanischen Partisanen aus: "Im linken Spektrum", sagt der deutsche Sponsor und freut sich über den Scherz – er meint natürlich den linken Randbereich der UKW-Skala.

Frankreichs Premier in Ost-Berlin: Wenig zu sagen, viel zu verkaufen

Der französische Premierminister war just zwei Stunden in der DDR, da erlebte er die erste Überraschung. Laurent Fabius und Erich Honecker unterhielten sich im Büro des Staatsratsvorsitzenden am Marx-Engels-Platz über die internationale Lage und das Ost-West-Verhältnis.

Sportsgeist

Wer deutsch ist und am Ball bleiben will, fährt derzeit nach Paris: High tech ist an der Seine der Schlager der Saison. Selbst Frankreichs Köche sind von der offiziellen Begeisterung für den Aufbruch ins Weltall so angesteckt, daß sie die Europa-Rakete "Ariane" maßstabgerecht in Butter modellieren und das Dessert auf der Startrampe anrichten.

Die Franzosen halten sich zurück

Einer wagte, laut zu denken, Jean-Luc Lagardère, Spitzenmanager mit spitzer Zunge, einflußreicher Chef des vom französischen Staat beherrschten Raumfahrt- und Rüstungskonzerns Matra, sagte es vorige Woche rundheraus: "Eureka und SDI gegeneinander auszuspielen, ist albern.

Referendum in Italien: So oder so nutzlos

So demagogisch sich dem Wähler die eigentliche Frage darstellen mußte: Ob er auf siebenundzwanzigtausend Lire (43 Mark) monatlichen Kaufkraftausgleichs bestehen und deshalb das Gesetz, das ihm diesen entzieht, aufgehoben sehen wolle – so illusionslos war die Antwort der meisten Italiener.

Diktator und Poet dazu

Die schwarze SIL-Limousine gleitet über den Roten Platz, taucht unter dem Spaskij-Turm an der Kreml-Mauer hindurch und schwenkt vor dem Regierungsgebäude ein.

BONNER BÜHNE: Irgendeine Kleinstadt

So schrieb im Jahr 1911 der ungarische Philosoph Georg Lukács über den jungen Ernst Bloch. Bloch ging wirklich nach Bonn und schrieb an Lukács: "Hier ist die Zeit mit einem sehr wilden Leben und merkwürdigerweise mit weiteren, sehr glücklichen systematischen Ausarbeitungen und Zusammenführungen erfüllt.

Ungarn: Wahl mit Alternativen

Bei den ungarischen Parlamentswahlen kandidierten zum erstenmal seit Beginn der kommunistischen Herrschaft mindestens zwei Bewerber für jedes Mandat.

Maßstäbe für Europa

Ein Zufall führte drastisch Regie. In . derselben Woche, da der Präsident der EG-Kommission, Jacques Delors, in einem Interview das Unvermögen der europäischen Regierungen geißelte, auf dem Weg zu einem handlungsfähigen Europa voranzukommen, konstituierte sich in Bonn das "Aktionskomitee für Europa".

Mengeles Tod: Reichen die Beweise?

Mit bloßen Händen griff der Gerichtsmediziner José Antonio Melho in das offene Grab und sammelte Schädel, Knochen und Haarreste eines Mannes ein, der am 8.

Portugal: Regierungskrise

Die trotz ihres Namens durchaus bürgerliche Sozialdemokratische Partei (PSD) hat genug von der Koalition mit den Sozialisten (PS).

Aus Hunger nach Glauben

Für ein paar Stunden hatte die rheinische Kirchengemeinde auf Deutschlands teuerster Meile ein Erfrischungszelt aufgeschlagen.

Appetit vergangen: Aus Rache vor die Tür gesetzt

Es steht nicht zum besten zwischen Wirten und Journalisten. Im Schwarzwald hat ein Gastronom gerade einen Prozeß gegen einen Fernsehmann verloren, der in seinem Gasthaus unfein bestellte.

Strauß-Clan

Preisfrage im heiteren Personenraten: Ein schlacksiger junger Mann steigt nachts vor einer Münchner Diskothek aus einem schweren, dunklen Wagen.

Ein Ende mit Schrecken

Friedrich Zimmermann ist ein Vollblutpolitiker: Wenn es gegen den Bonner Innenminister läuft – was gar nicht so selten vorkommt –, dann ignoriert er das schlicht oder schiebt flugs anderen die Schuld dafür in die Schuhe – niemals sich selbst.

Ohne Not ein neuer Streit

Man sollte meinen, die Bonner Regierungsparteien hätten Sorgen genug und wären froh um jeden Krach, der sich vermeiden ließe.

Mehr Gift in der Luft

Für den Umweltschutz sind die Abgasvorschlage der EG-Kommission eine Niete. Das laßt sich inzwischen mit Zahlen belegen. Die Wissenschaftler Dieter Teufel und Ulrich Höpfner vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu), die schon in den vergangenen Monaten die umfassendsten Szenarien für die künftige Umweltbilanz bei verschiedenen Abgaskonzepten geliefert haben, fütterten am Wochenende nochmals ihre Computer.

Bonner Kulisse

Die Beamten des Bonner Wirtschaftsministeriums werden immer frustrierter, weil ihr Rat im Bundeskanzleramt kaum noch gefragt ist.

Kein Windmacher

Cui bono? Dies scheint eine Frage, die man sich im Bonner Forschungsministerium neuerdings etwas häufiger als üblich stellt, zumindest auf der Leitungsebene.

Tempolimit: Alte Einsichten

Politiker suchen immer wieder einen Anlaß, sich zu profilieren. Die laschen Brüsseler Vorschläge zur Reduzierung der Autoabgase kommen da wie gerufen: Wer jetzt mit Vehemenz ein Tempolimit als Alternative zu Brüssel fordert, dem sind Schlagzeilen sicher.

Wirtschaftspolitik: Baseler Leuchtturm

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), diese gewichtige Stimme aus Basel, hat sich mit ihrem Jahresbericht wieder einmal als Leuchtturm präsentiert, der verunsicherten Wirtschaftspolitikern die Richtung weist.

Der Veba-Konzern: Polster sind keine Ruhekissen

Noch ehe an diesem Mittwoch die Umtauschfrist abgelaufen war, konnte sich Veba-Chef Rudolf v. Bennigsen beruhigt zurücklegen; Die freien Aktionäre der Veba-Enkelin Nordwestdeutsche Kraftwerke AG (NWK) in Hamburg hatten von dem verlockenden Angebot der Großmutter – eine Veba-Aktie plus 45 Mark in bar für einen NWK-Anteil – in so großer Zahl Gebrauch gemacht, daß einer Neuordnung der Stromfirmen des Konzerns nun nichts mehr im Wege steht.

Italien: Die Rolltreppe ist reif für die Reparatur

Die Abstimmungslokale waren gerade geschlossen worden, da kam die große Überraschung. Der italienische Arbeitgeberverband kündigte kurzerhand die automatische Anpassung der Löhne und Gehälter an die Inflation, in Italien unter der volkstümlichen Bezeichnung "Lohnrolltreppe – Scala mobile" bekannt.

Neuerscheinungen: Zwei Lager

Jürgen Pätzold: Stabilisierungspolitik. Grundfragen der nachfrage- und angebotsorientierten Wirtschaftspolitik. Uni-Taschenbücher 1353, 340 Seiten, 39 graphische Darstellungen, 21 Übersichten, 14 Tabellen.

Kaffeefahrten: Verkaufen ist alles

Willkommen zur großen Textilschau bei Kaffee und Kuchen gratis." Die schriftliche Einladung, auf den Straßen eines württembergischen Badeortes überreicht, klang verlockend.

Späte Sorge

Samtlebe: Die Bundesregierung sorgt sich spät um die Konjunktur. Bedauerlicherweise hat sie bisher Beschäftigungsprogramme immer abgelehnt, während der Deutsche Städtetag dazu schon lange sehr klare Vorstellungen entwickelt hat, auch Spitzenleute von CDU und CSU-regierten Städten.

Italien: Schlechte Noten von der Notenbank

Erst gegen Schluß der langen Rede horchte das Publikum auf. Die Warnung lag zwar in der Luft, doch hatte es zunächst so ausgesehen, als ob der italienische Notenbankchef diesmal in seinem traditionellen Jahresbericht eher zurückhaltend sein werde.

AKTIENSELLER

Daß sich die Börsenumsätze in den zehn Aktienfavoriten im Mai gegenüber April verdoppelt haben, hat seinen Grund dann, daß der Mai ein Hausse-Monat war.

MANAGER UND MÄRKTE

Als einer dieser verbiesterten Kritiker, die der deutschen pharmazeutischen Industrie immer nur übertriebenes Gewinnstreben und überhöhte Preise vorwerfen, war er bislang fürwahr nicht aufgefallen.

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