Begeisterte Worte: "Er ist ,durch-und-durch‘-Philosoph vom Schlag eines Hegel... Er wird aber in irgendeine deutsche Kleinstadt ziehen, wahrscheinlich nach Bonn und dort habe ich nichts verloren."

So schrieb im Jahr 1911 der ungarische Philosoph Georg Lukács über den jungen Ernst Bloch. Bloch ging wirklich nach Bonn und schrieb an Lukács: "Hier ist die Zeit mit einem sehr wilden Leben und merkwürdigerweise mit weiteren, sehr glücklichen systematischen Ausarbeitungen und Zusammenführungen erfüllt. Aber ich werde in einigen Tagen doch abreisen und ins Isartal ziehen." Noch einmal taucht Bonn dann auf bei Ernst Bloch, der demnächst 100 Jahre alt würde. Im Isartal trifft er nämlich seine spätere Frau: "Ich kam aus Bonn, erzählte von dort, sprach mit ihr über meine Kant-Deutung, zerriß den Steiner. Auf einer Bank an der Isar habe ich sie zuerst geküßt; auf dem schönen, altfränkischen Sofa in meinem Zimmer während eines Gewitters lag ich zuerst bei ihr."

Der biographischen Bloch-Forschung sei der Nachweis gelungen, daß Bloch nicht seiner Kant-Deutung und auch nicht seinem Verriß des Anthroposophen Steiner den Erfolg zu verdanken hatte, sondern eindeutig der Erzählung über Bonn. Das erläuterte Peter Zudeick, Korrespondent des Südwestfunks in Bonn, bei der Vorstellung seines Buches über Bloch. Der Titel: "Der Hintern des Teufels. Ernst Bloch – Leben und Werk".

Das hat nun alles, zugegeben, nicht sonderlich viel mit Bonn zu tun. Außer eben den wenigen Passagen aus Blochs Feder. Und außer der Tatsache, daß Zudeick sein Buch in der Bonner Kneipe "Spleen" vorgestellt hat. Das Buch ist, nebenbei, ungewöhnlich schön; es ist frech, gescheit und mit Lust geschrieben. Ernst Bloch wird kenntlich; der Autor auch; es liest sich angenehm. Für einen Moment hätte man bei der temperamentvollen Vorstellung im "Spleen" fast glauben können, sich an einem ganz anderen Ort zu befinden, jedenfalls nicht in "irgendeiner deutschen Kleinstadt" namens Bonn.

Allmählich richtet sich die SPD auf die große Wahlschlacht 1987 ein. Im Ollenhauer-Haus wird umgruppiert, einige Abteilungen sind neu besetzt worden, das EDV-System wird modernisiert. Vor allem aber ist Vorstandssprecher Wolfgang Clement als Stellvertreter von Bundesgeschäftsführer Peter Glotz vorgeschlagen worden. Ein Nebeneffekt der Rochade, der nicht unwillkommen ist: Mit Johannes Rau, dem kommenden Mann der SPD – aus heutiger Sicht, würde Strauß sagen – versteht Wolfgang Clement sich prächtig. Intellektuelle Temperamente wie Glotz (oder Kurt Biedenkopf) bleiben Rau dagegen ein wenig fremd. Und schließlich kommt Wolfgang Clement aus dem Ruhr-Revier. An seinem ersten Bonner Arbeitstag vor vier Jahren hat er gelernt, daß das Rheinland doch eine andere Welt ist. Das Ollenhauer-Haus stand leer, zu seiner Überraschung. Es war nämlich Rosenmontag.

Mehr zu ahnen als klar zu erkennen ist eine kleine Veränderung in der Union: Es sieht so aus, als sei die Rolle von Elisabeth Noelle-Neumann als politischer Ratgeberin Helmut Kohls "zu einem Ende gekommen", flüstern Insider. Und zwar nicht, wie es heißt, weil die CSU darauf drängte, die schon lange mit der Demoskopin aus Allens- – Bach auf Kriegsfuß lebt. Den Ausschlag habe gegeben, daß die – günstige – Waldprognose für Ministerpräsident Zeyer (CDU) im Saarland so falsch gewesen sei. Auch der Beitrag zur Wahlkampfstrategie in Nordrhein-Westfalen werde ihr, wie es heißt, inzwischen auch von Helmut Kohl angelastet.

Gunter Hofmann