Unserer Lehrerschaft droht die Vergreisung. Wenn nicht bald etwas geschieht und beherzte Finanzminister nicht endlich Erbarmen mit den immer noch viel zu vollen Klassen haben; werden in Kürze nur noch Omas und Opas an den Kathedern stehen. Schon in fünf Jahren, so hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gerade ausgerechnet, wird es keinen Lehrer unter 35 Jahren mehr geben, und 17 Prozent aller Pädagogen werden älter als 55 Jahre alt sein. Um wenigstens die Berliner Lehrer vor dem kollektiven Abmarsch ins Seniorenalter zu bewahren und einen Hauch des pädagogischen Nachwuchses zu einer Beschäftigung zu verhelfen, ging jüngst Berlins Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien auf die Barrikaden des Senats. Sie stritt gegen den sparwütigen und auch sonst nicht zimperlichen Innensenator Heinrich Lummer und rettete, was noch zu retten war: 259 Lehrerstellen, die ihr Parteikollege wegen der schrumpfenden Kinderzahl einstreichen wollte. Damit sollen jetzt die Klassen verkleinert und der Unterricht verbessert werden.

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Was es alles im Unterricht gibt. Schulbücher zum Beispiel, die nichts mehr mit den Lehrplänen zu tun haben, weil die Zeit schon lange an ihnen vorbeigerauscht ist. In seiner ersten Aktion zur "kompletten Überprüfung" von 2064 Schulbüchern hat Baden-Württembergs Kultusminister Mayer-Vorfelder kurzerhand die ältesten Schinken (ein Drittel) herausfischen und aus der Schulbuchliste streichen lassen. Darunter ein Musikbuch, das noch vor dem Zweiten Weltkrieg geschrieben wurde.

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Den Blick für die Tagespolitik schärft man Jugendlichen in Lüneburg. Mit Hilfe der Landeszeitung für die Lüneburger Heide sollen Schüler der neunten und zehnten Klasse Artikel analysieren, Leserbriefe studieren und die Redakteure kontaktieren. Kultusminister Oschatz gab dem dreimonatigen Projekt seinen Segen, denn: Zeitung lesen muß man erst lernen. Das verlangt mehr als Durchblättern". Recht hat er.

D. H.