Berlin: "Paul Klee als Zeichner 1921-1933"

Gewiß keine neue Sicht auf das Werk von Paul Klee, aber doch eine Akzentverschiebung oder besser – Betonung versucht die Ausstellung mit der das Berliner Bauhaus-Archiv seinen fünfundzwanzigsten Geburtstag feiert. Das Klee "sensibel" auf die verschiedensten Zeitströmungen reagierte", sich "intensiv mit der politischen Entwicklung in Deutschland um 1933 auseinandersetzte", wie es im Katalogvorwort heißt, bleibt indes nur mit einigen Mühen nachzuweisen. Die auch stilistisch auffällige Reihe der Zeichnungen von 1933, die nach der Entlassung aus dem Düsseldorfer Lehramt durch die Nazis entstand, bildet die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Wohl aber hat sich Klee – und das ist der ergiebigere Aspekt dieser Ausstellung von 250 Blättern vorwiegend aus dem Berner Kunstmuseum – während seiner zehnjährigen Lehrtätigkeit am Bauhaus, zwischen 1921 und 1931, intensiv mit den zeitgenössischen Kunstströmungen beschäftigt. Der tiefgreifende Wandel vom Weimarer zum Dessauer Bauhaus unter dem Motto "Kunst und Technik eine neue Einheit" spiegelt sich in den Zeichnungen an der Hinwendung zum Seriellen und Konstruktiven, wozu die überaus sorgfältige Vorbereitung seines um Wissenschaftlichkeit bemühten Unterrichts beitrug. "Klee als Lehrer am Bauhaus" bleibt dennoch – zumal der berühmte, dreitausend Blatt umfassende pädagogische "Nachlaß" noch weitgehend unaufgearbeitet ist – mehr ein Randkapitel der Berliner Ausstellung. Kein "neuer" Klee also, aber mit vielfach nie zuvor gezeigten Blättern ein Einblick in die Werkstatt seiner schier unerschöpflichen Produktionen. (Bauhaus-Archiv bis zum 7. Juli, anschließend Lenbachhaus, München und Kunsthalle Bremen, Katalog 20 DM.)

Bernhard Schulz