Als einer dieser verbiesterten Kritiker, die der deutschen pharmazeutischen Industrie immer nur übertriebenes Gewinnstreben und überhöhte Preise vorwerfen, war er bislang fürwahr nicht aufgefallen. Daß ausgerechnet Horst Bourmer, Chef des erzkonservativen ärztlichen Lobbyvereins Hartmannbund, der Pharmaindustrie auf deren Verbandstagung in Baden-Baden die Leviten las, kam die Arzneimanager da nur um so härter an.

Bourmer rügt aus intimer Kenntnis, was die Industrie noch nie hat wahrhaben mögen: Die Medikamentenhersteller schicken ein stattliches Heer von Handelsvertretern in die Arztpraxen, um dort im Übermaß die Verschreibung von Pillen und Tropfen anzukurbeln. Arznei-Gratismuster, Präsentchen für die Sprechstundenhilfe und Schnickschnack für des Dokters Schreibtisch helfen dabei, das Geschäft zu beleben.

Derlei Marketing-Aufwand versuchte die Industrie bislang gern als notwendige "wissenschaftliche Information" für die Doctores zu verbrämen. Doch Ärztefunktionär Bourmer strafte dergleichen Lügen: "Meine Bitte ist darauf gerichtet, daß ihre Pharmareferenten, die uns regelmäßig, oft und auch hartnäckig besuchen, den Schwerpunkt ihrer Arbeit in einer wirklich fachlich-wissenschaftlichen Information sehen und nicht so sehr in den umsatzbezogenen oder kommerziellen Aspekten ihres Tuns."

Die Ärzte selber sollten unnütze Dienste der Pharmavertreter einfach zurückweisen, meinte Reinhold Rathscheck. Die Ärzte müßten sich nur genau ansehen, was ihnen die einzelnen Pharmavertreter an Informationen zu bieten haben und Rathscheck: "Was sie Ihnen mitbringen." Eben.

*

Nach den Alleingängen von Philips und Siemens in der Glasfasertechnik äußert sich der Außenseiter Wacker Chemie in München nun wesentlich zurückhaltender zu seinen eigenen Plänen als noch vor einem Jahr. Zwar hat Wacker inzwischen mit dem japanischen Konzern Sumitomo einen Lizenzvertrag abgeschlossen und sich Markenrechte für dessen Glasfasern in der Bundesrepublik, Europa und auch Nordamerika gesichert. Aber wann die geplante Glasfaserfabrik im Werk Burghausen an der Salzach in Angriff genommen wird, darüber schweigt sich Geschäftsführer Harald Seeberg vorerst aus.

Wacker strebt jetzt langfristige Verträge mit den drei Kabelherstellern AEG-Telefunken, SEL und Kabelmetall an, die ursprünglich zusammen mit Siemens und Philips die dann vom Kartellamt untersagte Glasfaserfabrik in Berlin bauen wollten. Die Frage, ob man bereit wäre, diese drei auch an der geplanten Burghausener Fabrik zu beteiligen, wollte Seeberg nicht beantworten. Man kann aber davon ausgehen, daß sich Wacker darum bemüht, die Risiken des achtzig Millionen Projektes so niedrig wie möglich zu halten.