Sie kamen am hellichten Tag und richteten einen Schaden von geschätzten 100 000 Mark an. Im Lichthof der Berliner TU, wo sich normalerweise müde Studenden auf grünem Teppich eine Ruhepause gönnen, tauchten letzte Woche etwa zwanzig vermummte Jugendliche auf und beschädigten die Informations- und Werbestände zehn großer Firmen, die sich dort zum ersten Unternehmens tag etabliert hatten. Podiumsdiskussionen über Fragen des Managements und Berufswahl standen auf dem Programm. Die Selbstdarstellung der Multis – "von der Uni zu Unilever" – diente als Blickfang.

"Konzerne geben sich die Ehre – wir auch" hatten die modernen Maschinenstürmer ihr Flugblatt überschrieben, worin sie höhnisch die "lukrativen Jobs" aufzählten, in denen es noch Aufstiegschancen gäbe: "Wär’ das denn nichts", fragten sie, "bei Volkswagen arbeitsplatzsparende Roboterstraßen zu entwickeln, bei Schering über Gen-Manipulation zu forschen, bei BASF neue Kampfgase zu entdecken oder bei IBM dick ins Rüstungsgeschäft einzusteigen?"

Vor allem zertrümmerten die Berliner Vandalen hochschulpolitisches Porzellan. Verstärkt dadurch, daß der AStA der TU sein Spotlight auf die Scherben richtete, die dann auch von Wissenschaftssenator Kewenig genüßlich aufgesammelt und der Öffentlichkeit präsentiert wurden: "Die jüngsten Vorfälle", so ließ er durch seine Pressestelle verbreiten, "könnten die Abschaffung der Verfaßten Studentenschaft nahelegen." Vom TU-AStA, seit seinem Bestehen nicht in der Gunst des Senators, verlangt er, in der Gewaltfrage eindeutig Farbe zu bekennen.

Das hatte dieser in seiner törichten Presseerklärung bereits getan. Töricht nicht nur, weil er sich ausdrücklich "nicht von dem Widerstand gegen die industriell-militärische Ausrichtung der Universitäten" distanzierte, sondern auch, weil er TU-Präsident Fricke unterstellte, in seiner Begrüßungsansprache zum Unternehmenstag eine Jugend gefordert zu haben, die "hart wie Kruppstahl" ist. Eine Stunde nach der Blitzaktion der Vermummten reagierten die AStA-Schreiber und attestierten ihnen jene "eingeforderte Härte". Der Präsident allerdings hatte in seiner Ansprache von harten Studienfächern gesprochen und geraten, diese nicht zu vernachlässigen, weil sie in der Praxis besser honoriert würden. Auch wenn sie nicht so gute Noten brächten wie leichtere Kaliber. Wolfgang Thiele