Ein Zufall führte drastisch Regie. In . derselben Woche, da der Präsident der EG-Kommission, Jacques Delors, in einem Interview das Unvermögen der europäischen Regierungen geißelte, auf dem Weg zu einem handlungsfähigen Europa voranzukommen, konstituierte sich in Bonn das "Aktionskomitee für Europa". Schon wieder ein Forum, auf dem Stillstand beklagt und neue Initiativen vergeblich eingefordert werden?

Die Besetzung spricht gegen die Furcht, daß es dabei bleibt. Hier treffen sich erfahrene Politiker, Wirtschafts- und Gewerkschaftsführer aus den EG-Ländern, die nicht nur über Europa reden, sondern es kennen: Europäer wie Giovanni Agnelli, Karl Carstens, Emilio Colombo, Maurice Faure, Edward Heath, Walter Scheel, Helmut Schmidt, David Steel, Gaston Thorn und Joop den Uyl. Für das neue Gremium spricht auch die Tradition, dem seine Mitglieder sich verpflichtet fühlen: der des Monnet-Komitees. In den fünfziger und sechziger Jahren war dies ein Treffpunkt, wo ganz unspektakulär Vertrauen und Konsens erarbeitet wurden. Hier will das neue Komitee anknüpfen.

Die Ziele sind nicht neu: Europa voranbringen – durch Schaffung eines Binnenmarkts, durch massive Anstrengungen auf dem Gebiet der neuen Technologien, durch Stärkung des Europäischen Währungssystems, durch Verbesserung der Entscheidungsprozesse. Neu aber ist der Versuch, mit gedanklicher Präzision, methodischer Sauberkeit und präzisen Zeitangaben zu arbeiten.

Das Komitee kann nicht für die Regierungen handeln, aber es setzt Maßstäbe für sie. Und das ist notwendiger denn je; Jacques Delors hat es deutlich genug gemacht. el