Augstein und Strehler wurden wegen Rauschgiftdelikten verurteilt: zu Recht oder unsinnig?

Der Unterschied zwischen Drogenkonsum und Drogenkultur wurde von keinem besser formuliert. Wer in ihm nur einen konservativen Reaktionär sehen kann, muß verblüfft sein. Aber auch die Vertreter von law and order, die ihm den Goethe-Preis verliehen haben, hätten einiges zu überdenken; denn eigentlich gehört der Mann wegen (inzwischen freilich verjährten) Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz ins Gefängnis. Ernst Jünger schrieb "Von der Massendrogierung kann man in den pharmazeutischen Fabriken eine Vorstellung gewinnen ... Dagegen verliert sich mit der Kultur der stille Genuß an den Rändern der Hanf- und Mohngärten."

Liberale, auch unter den Juristen, auch in Italien, leben mit einem Kompromiß: Wegen Besitzes geringer Mengen von Rauschmitteln, die offenbar zum eigenen Genuß bestimmt sind, wird niemand drastisch bestraft. Dennoch hat die italienische Justiz jetzt wieder spektakulär zugeschlagen. Rudolf Augstein wurden Geldstrafe und Gefängnishaft (mit Bewährungsfrist) zudiktiert, weil der Zoll vierzig Gramm Cannabis in seinem Koffer gefunden hatte; obwohl Augstein (für jeden, der ihn kennt, glaubhaft) versicherte, der Stoff gehöre nicht ihm. Giorgio Strehler wurde zehn Tage unter Hausarrest gestellt, ein Prozeß wurde ihm angedroht, weil die angeblich von ihm gekauften Mengen Kokains den Eigenbedarf überschritten.

Dadurch werden wieder einmal Gedanken aufgescheucht, bei denen Liberalen, auch unter den Juristen, auch in Deutschland, nicht ganz wohl sein kann.

1. Rudolf Augstein werden die fünftausend Mark Strafe nicht arm gemacht haben; und den Bewachern von Strehler war vermutlich weniger wohl als dem Bewachten. Wie aber nun, wenn einer nicht Augstein oder Strehler heißt?

2. Der Fall Augstein zeigt wieder einmal, wie schwer "Besitz" nachzuweisen ist, wenn niemand Besitzer sein will.

3. Der Fall Strehler zeigt, wie umstreitbar der Begriff "geringe Mengen zum eigenen Bedarf" ist.